Genug Schwall und Schwurbel las man an dieser Stelle über sexy Sportautos für Halbgare und Familienväter im Klimakterium. Zu viel präpotentes Gebrabbel drang aus Cockpits von lederausgestatteten Unnutzfahrzeugen. Russland, liebe Autofreunde, verliert 20 Prozent seiner Getreideernte! Warum? Weil die Dresche nicht stimmt!

Heute also im Test: der Mähdrescher Lexion 550. Ein Nutzfahrzeug. Schon die Nutzfahrzeugmarketingsprosa! Unter der Überschrift Den Rücken frei für wichtigere Dinge lese ich im Prospekt zum Thema Fahrerentlastung durch Laserpilot: "Er" – also der Fahrer – "lehnt sich ein wenig zurück, stillt seinen Durst und klärt den nächsten Einsatzort." Ist das nicht genau, worum es geht? Um die Rückenfreiheit, die ein wenig Zurücklehnen und Durststillen erlaubt, weil das Leben schwer genug ist?

Mein Einsatzort liegt zwischen dem Münsterland und einer Region mit dem paradoxen Namen Ostwestfalen. Wenige Kilometer von der kuscheligen Ortschaft Harsewinkel entfernt befindet sich der Hof von Bauer Loermann. Er hat seine Flächen und Schuppen dem bedeutenden Harsewinkler Mähdrescherhersteller Claas zur Verfügung gestellt und diese eigenartig modelliert. So entstanden künstliche Berge und Rumpelwege, damit die Claas-Kundschaft ein bisschen probeackern kann.

Grün und weiß, vorneweg eine rote Stahlapparatur, oben ein meterlanger Rüssel. Ein Ungetüm, dessen rundliche Konturen nicht etwa überbezahlte Chefdesigner bestimmten, sondern die Profile der Eisenbahntunnel, die es passieren können muss.

Über eine lange Leiter erreiche ich den voll verglasten, in schwindelnder Höhe angebrachten Arbeitsplatz. Kanzel würde ich ihn nennen. Ein ernster Raum, zweckmäßig möbliert, mit allem Komfort, der jedoch in jedem Fall sachlich begründbar bleibt. Komfortsessel, höhenverstellbares Lenkrad, Joysticksteuerung (ergonomisch), kontraststarker Bildschirm mit allen relevanten Daten zum Betriebszustand. Klimaanlage, CB-Funk und Handy-Freisprechanlage. Kühlschrank.

Ich starte die 339-PS-Maschine von Caterpillar. Etwas macht "ping". Das ist der Warnton, wenn weniger als zehn Prozent Sprit im Tank sind. Das sind aber immerhin noch 80 Liter, die reichen für ein Stündchen im Feld. Ein Druck auf einen Knopf, das neun Meter breite Schneidwerk mit der charakteristisch knallroten, halmaufrichtenden Haspel hebt sich. Joystick nach vorn – die Fuhre rollt. Schon nach ein paar Sekunden schiebt sich der Mähdrescher mit gut vier Sachen über die Wiese. Ich zünde nacheinander die Schneid- und Dreschaggregate. Ein Rütteln geht durch den Fahrzeugkörper. Das Tier arbeitet. "Hoch auf dem grünen Wagen", summe ich leise. Ein solches Ungetüm über von Maulwürfen durchbohrte Wiesen zu bewegen stimmt froh, auch wenn ich es anders angepinselt hätte. Das Claas-Giftgrün ist zwar wiedererkennbar, aber hässlich.

Am Wiesenende geht es mit Karacho um die Kurve. Das Teil liegt wie ein Brett auf dem Boden. Ich verfüge über drei Gänge. Einen kennzeichnet ein Hase (schnell!). Einen eine Schildkröte (langsam, den Kopf freihalten für Wichtigeres!). Der dicke Diesel dieselt dank des hydrostatischen Fahrantriebs stets bei 2000 Touren und treibt mitnichten selbst das Fahrzeug und die Aggregate an – er schiebt nur Öl in ein System von Ölmotoren. Vorteil: kein Schalten, kein Rucken. Kein Rückwärtsgang, nur Rückwärtspumpen. Nachteil: Das Ganze wirkt nicht sonderlich sportlich.