Der Dokumentarfilm Darwins Albtraum erzählt, wie Lebensgrundlagen in Afrika zerstört werden, wenn sich Entwicklungspolitik einseitig an Exportindustrien orientiert: Fischfilets fliegen nach Europa, in den Dörfern wird gehungert. Die Demütigung der Kleinbauern und ihre weltweite politische Vernachlässigung ist neben Kriegen und Bevölkerungswachstum der wichtigste Grund dafür, dass sich die Vereinten Nationen den Fragen Hunger und Unterentwicklung auch nach vielen Entwicklungsdekaden weiter stellen müssen. Der UN-Millenniumsprozess lenkt den Blick jetzt neu auf die dramatische Lage der Bauern.

Wenn die Regierungen Mitte nächster Woche beim New Yorker Gipfel die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung überprüfen, dann ist der gemeinsame Nenner aller Probleme, ob Bildung, Gesundheit oder Wasser: Sie finden sich auf dem Land. Dort leben 80 Prozent der 800 Millionen Hungernden und drei Viertel der extrem Armen.

An der Zukunft ländlicher Räume müsste also der Entwicklungspolitik schon lange gelegen sein. Doch im Widerspruch dazu haben Geldgeber, darunter auch die Weltbank oder der IWF, Mittel für Agrarprogramme radikal gekürzt. Beim Thema Wasser etwa konzentrierte man sich auf Städte und Siedlungen, aber kaum auf nachhaltige Bewässerungssysteme für die Landwirtschaft. Die Zukunft der Kleinbauern wurde zwar als wichtig angesehen - aber nicht als Priorität.

Es gibt viele Gründe dafür, etwa die Neigung der Entwicklungspolitik zu Moden: Mal wurde in riesige Dämme investiert, mal in die Befriedigung der Grundbedürfnisse, zurzeit in Good Governance, die gute Regierungsführung. Entwicklungspolitik muss schnelle Erfolge präsentieren.

Vor allem auf Druck der großen Finanzinstitutionen gingen auch die nationalen Agrarbudgets zurück. Gefördert wurde meist nur die intensive Landwirtschaft in günstigen Anbaugebieten. Sie brachte zwar bessere Erträge - aber nicht weniger Hunger. Profitiert haben davon vor allem Großbauern und Lebensmittelmultis. Die Orientierung auf den Export von Baumwolle, Kaffee oder Mangos treibt zudem manche armen Länder seit Jahrzehnten in einen Teufelskreis: Da wird Nahrung mit hohem Einsatz von Energie produziert - damit man mit den Einnahmen anderswo Nahrung und Energie kaufen kann. Der Intensivanbau verursacht oft ausgelaugte Böden und Versteppung - worunter Kleinbauern am meisten leiden. Überall dort geht es Bauern besser, wo es gelang, Wüsten wieder zu begrünen und Böden zu befruchten - und dann Märkte für verarbeitete Produkte aufzubauen.

Erfolg wird es auf Dauer nur geben, wenn arme Länder alle politischen Instrumente nutzen können, auch Subventionen und Zölle, um ihre Märkte zumindest vorübergehend vor Importen zu schützen und eigene Lebensmittelindustrien aufzubauen. Sonst kann ghanaischer Ketchup gegen amerikanischen nicht konkurrieren.

In der Welthandelsorganisation aber drängten die Industrienationen (die ihre eigenen Märkte dicht halten) auf hohe Zollsenkungen für Agrarprodukte - just, als Tony Blair beim G8-Gipfelzirkus unter dem Banner Make Poverty History erklärte, Europa wolle den armen Ländern Asiens und Afrikas keine Politik mehr aufzwingen.