Denkmalpflege ist eine delikate Angelegenheit. Denn was ist überhaupt ein pflegenswertes Denkmal? Und auch auf die Frage nach den möglichen theoretischen Grundsätzen denkmalpflegerischer Arbeit gibt es unzählige sich widersprechende Antworten. Die Ausstellung Zeitschichten. Erkennen und Erhalten - Denkmalpflege in Deutschland, die derzeit im Dresdner Residenzschloss zu sehen ist (bis zum 13. November - Katalog 29,90 e), führt mitten in dieses spannungsreiche und spannende Problemfeld. Sie sensibilisiert die Besucher auf subtile Weise für das Thema: In den Paraderäumen Augusts des Starken, die im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört und bislang nur notdürftig rekonstruiert wurden, wird die Metapher der Zeitschichten ganz konkret. Der architektonische Rahmen selbst ist das erste Exponat. Anlass der Schau ist das hundertjährige Bestehen des von Georg Dehio begründeten Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler. Denn Dehio war es, der anlässlich der Diskussion um die Restaurierung der Heidelberger Schlossruine die Formel prägte, die zur Maxime der modernen Denkmalpflege werden sollte: Erhalten und nur erhalten - ergänzen nur dann, wenn die Erhaltung materiell unmöglich geworden ist, Untergegangenes wiederherstellen nur unter ganz bestimmten, beschränkten Bedingungen. Anhand historischer Beispiele wie dem Kölner Dom sowie hoch aktueller Fälle wie dem Berliner Palast der Republik (beziehungsweise dem Stadtschloss) und dem Bonner Bundestag kann und muss der Besucher Dehios These immer wieder selbst überprüfen - um dabei auf Schritt und Tritt der politischen Dimension des Themas gewahr zu werden. Die Denkmalfrage erweist sich fast immer als eine Frage der Macht: Souverän ist, wer über den Denkmalzustand entscheidet.

Allein der weise Goethe schien sich nicht um den tatsächlichen materiellen Zustand des Kölner Domes und dessen Status als Nationaldenkmal zu scheren.

Stattdessen studierte er das Wesen der gotischen Architektur lieber an riesigen kolorierten Grafiken - auch eine delikate Angelegenheit.