Gefragt

Nach Ihrer Promotion haben Sie sich als Einmannfirma selbstständig gemacht, heute hat Katz Biotech 16 Mitarbeiter. Wie kamen Sie auf die Idee, nützliche Insekten zu züchten?

Ich habe Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim studiert. Meine Diplomarbeit schrieb ich über die Populationsdynamik von Blattläusen am Apfel, meine Promotion über die Populationsdynamik von Schädlingen am Mais.

Wir hatten am Institut verschiedene Insektenzuchten, um die Auswirkungen von Nützlingen auf Schädlinge zu testen. Der Arbeitsbereich für Agrarwissenschaftler ist sehr eng, das Thema interessierte mich - also machte ich mich selbstständig, indem ich Nützlinge züchtete und verkaufte.

Wie ist Ihre Marktposition?

Von der Fläche her sind wir der größte deutsche Nützlingszuchtbetrieb, von den Produktionsanlagen und vom Umsatz her weiß ich es nicht. Aber wir gehören sicher zu den größten Anbietern.

Der Firmenname Katz Biotech klingt mehr nach Labor als nach krabbelnden Insekten ...

Wir sind kein reines Bio-Tech-Unternehmen, obwohl Nützlingszucht durchaus zur Biotechnologie zählt. Meine ursprüngliche Firma hieß PK Nützlingszuchten und hatte sich nur mit der Zucht beschäftigt. In Deutschland sind aber rund 40 verschiedene Nützlinge auf dem Markt, die ein Vertreiber anbieten muss, um konkurrenzfähig zu sein. Das konnte ich alleine nicht schaffen. Dafür gründete mein Bruder die Katz Biotech Services. Mit ihr hat er meine und andere Produkte ein- und verkauft. Die Firmen haben wir dann unter dem eingeführten Namen verschmolzen. Mittelfristig wollen wir auch Insekten-Inhaltsstoffe wie Chitin und Protein und Rohstoffe aus Insekten allgemein anbieten.

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Wer sind Ihre größten Kunden?

Das Bundeskanzleramt mit seinen vielen Grünzonen ist ein dankbarer Abnehmer.

Auch das Tropical Island in der ehemaligen Cargolifter-Halle in Brandenburg fordert ganzen Einsatz. Dort wachsen Pflanzen aus aller Welt, und damit tauchen auch viele exotische Schädlinge auf, die man wegen des Publikumsverkehrs natürlich nicht mit Chemie bekämpfen darf. Außerdem zählen Zoos und Botanische Gärten zu unseren Kunden.

Sie verkaufen auch an Privatkunden - im Internet bieten Sie Marienkäfer-Eier im 150-Stück-Gebinde an oder Schwebfliegen-Eier in der 500er-Packung. Ist das nur ein Nebengeschäft?

Vom Umsatz her sicherlich. Aber von der Kundenzahl her wächst der Hobbybereich sehr stark. Da ist noch ein riesiges Potenzial drin. Das Problem ist: Wenn man Nützlinge einsetzt, sollte man den Schädling genau kennen.

Blattlaus A wird vielleicht von Schlupfwespe B gefressen, von Schlupfwespe C dagegen verschont. Das ist für den privaten Kunden schwer zu erkennen, welchen Schädling er nun genau an der Zimmerpflanze hat.

Was sind Ihre Bestseller?

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Von der Encarsia formosa, einer Schlupfwespe gegen die Weiße Fliege, versenden wir in Spitzenzeiten 1,5 Millionen Stück pro Woche. Die Raubmilbe Phytosseiulus persimilis gegen Spinnmilben geht auch sehr gut. Und, allerdings mit deutlichem Abstand, die Schwebfliege Episyrphus balteatus, die sich von Blattläusen ernährt.

Und die sympathischen Marienkäfer?

Spielen nicht so eine große Rolle. Das Problem liegt in der Zucht. Sowohl die Larven als auch der erwachsene Siebenpunkt braucht Blattläuse. Sie brauchen also immer auch eine Blattlauszucht. Außerdem ist der Siebenpunkt extrem kannibalistisch: Die erwachsenen Tiere fressen die Eier, die Larven fressen die Eier und sich gegenseitig. Die erwachsenen Tiere würden sich auch auffressen, wenn sie nicht so einen harten Panzer hätten. Die auf kleinem Raum zu halten ist sehr schwierig.

Wie wirkt sich der verregnete Sommer auf Ihr Geschäft aus?

Wir haben im Freiland einen deutlich geringeren Blattlausdruck als im vergangenen Jahr. Dafür sind die Spinnmilben diesen Sommer ein größeres Problem.

INTERVIEW: THOMAS RÖBKE