Galerien verstehen sich als Entdecker und Vermittler zeitgenössischer Kunst, als Schaltstelle zwischen aktueller Produktion im Atelier und dem Betrachter. Dabei ist die Galerie zugleich Showroom und Erlebnisort, Handelsplatz und Durchgangsstation auf dem Weg in Kunstvereine, private und öffentliche Sammlungen. Schätzungsweise 4000 ernst zu nehmende Galerien gibt es derzeit weltweit. Bei der Art Basel bewarben sich in diesem Jahr rund 900.

Auf rund 540 großformatigen Buchseiten mit luxuriösen, vielfach doppelseitigen Farbabbildungen erzählen nun die Herausgeber Uta Grosenick und Raimar Stange eine Kulturgeschichte der Galerie von 1945 bis heute anhand von 77 Beispielen aus 17 Ländern und vier Kontinenten. Insight - Inside, so der Titel des voluminösen Bandes, führte schon im Vorfeld der Publikation zu Missverständnissen und Ärger. Ausgehend von ursprünglich rund 200 in die engere Wahl genommenen Galerien, schnurrte das Panorama auf weniger als die Hälfte zusammen. Das musste zu Reaktionen aufseiten der Galerien führen.

Noch bevor das Buch überhaupt erschienen war, sagt die 1960 geborene Kunstgeschichtlerin und freie Autorin aus Köln, Uta Grosenick, wurde die Liste der Galerien heftig diskutiert. Viele waren enttäuscht, dass sie nicht dabei waren.

Die Galeristin Monika Sprüth zum Beispiel spricht von einem dummen Buch.

Hans Mayer hingegen, seit vierzig Jahren im Geschäft und auch nicht vertreten, nimmt es leicht. Das ist doch so stromlinienförmig, genau das, was im Moment angesagt ist.

Weder als Ranking noch als Führer hat das Herausgeberteam mit zehn weiteren Autoren die Aufgabe aufgefasst. Das Buch ist eine Hommage an den gesamten Berufsstand, denn so ein Überblickswerk hat es bisher noch nie gegeben.

Entstanden ist vor allem ein reich bebilderter Spaziergang durch 60 Jahre Galeriengeschichte mit Rückblicken in die Nachkriegszeit und Schilderungen aktueller Strategien und möglicherweise auch kurzlebiger Unternehmungen in New York und Shanghai.