Wieder nichts geworden. Kein Rekord. "Erst war’s heiß. Dann hat’s geschüttet. Dann kam der Wind", sagt Michael Wanivenhaus auf der Suche nach einer Erklärung, warum der von ihm organisierte Tirol Speed Marathon auch diesmal nicht zu dem geworden ist, was er sein will: der schnellste Marathon der Welt.

Im Prinzip müsste er es sein. Es gibt nämlich Läufe, da geht es bergauf. Beim Jungfrau Marathon in der Schweiz bewältigen die Läufer 1829 Höhenmeter – sie brauchen für die 42 Kilometer etwas länger als für einen Marathon im Flachland. Ergo müsste die Distanz in Tirol schneller abzuspulen sein. Es geht steil bergab. Minus 785 Höhenmeter sind es vom Brenner (1370 Meter über dem Meeresspiegel) bis Innsbruck (585 Meter). Aber die diesjährige Siegerzeit des Kenianers Chebet Kipruto von 2:12:04 liegt (trotz Durschnittsgefälle von knapp 2 Prozent) rund 7 Minuten über dem gültigen Weltrekord. Was beweist: Mit Physik allein sind Rekorde nicht zu knacken.

"Es ist eine Geldfrage", sagt Wanivenhaus. Spitzenläufer würden sein Budget sprengen; sie bleiben aber wohl auch deshalb fern, weil der Internationale Leichtathletikverband eine Tiroler Weltrekordzeit nicht anerkennen würde: Höchstens einen Meter pro Kilometer darf die Strecke abfallen.

Das Prinzip aber funktioniere, glaubt Wanivenhaus: 2003 gelang die Rekordjagd im Halbmarathon. Und über die Marathonstrecke ist 2005 ein Drittel der Teilnehmer trotz garstiger Witterung mit persönlicher Bestzeit in der Olympiastadt eingelaufen. Das könnte die Theorie des britischen Leistungsdiagnostikers Mervin Davies bestätigen, wonach jedes Prozent bergab eine Geschwindigkeitserhöhung von 0,35 Stundenkilometern bewirkt.

Die Fachpostille Runner’s World ist dagegen skeptisch, ob das Bergablaufen auf diesen Distanzen noch Zeitgewinne verspricht. "Je höher das Tempo (…) desto stärker sind auch die Aufprallkräfte in den Gefällpassagen, und die sind eben nur bedingt tolerabel", analysierte deren Tester die dürftigen Leistungen. Läufer profitierten mit zunehmender Distanz "weniger bis gar nicht" vom Bergablaufen: "Auf die Marathondistanz bringt ein Prozent Gefälle vielleicht einen kleinen Vorteil, zwei und mehr Prozent aber sind wohl des Guten zu viel."

Wer seine Muskeln nur im Flachland trainiert, ist so oder so bergab bald am Ende. Vor allem ungeübte Unterschenkel verkrampfen schnell. "Man muss mit Köpfchen laufen, und man muss es eben rollen lassen können", sagt Speed-Marathon-Chef Wanivenhaus – und räumt ein: "Auch runter läuft’s nicht von allein." Urs Willmann