Gern und in den letzten Jahren häufiger träume ich, dass ich Vater und Mutter begegne. Allerdings sind sie wenig beredt, ihre Gestalt ist unscharf, aber nicht ältlich. Sie erscheinen mir so, wie sie mir als Kind begegnet sind. Begegne ich meinen Eltern im Traum, habe ich das Bedürfnis, ihnen Fragen zu stellen. Heute geht mir so vieles durch den Kopf, und ich versuche Erlebnisse meiner Kindheit – insbesondere während des Krieges – zu rekonstruieren. Hat es ihnen Skrupel bereitet, uns mit anderen durch Bombenangriffe gefährdeten Kindern in der Reichskanzlei übernachten zu lassen? Was haben sie von dem Leiden der Juden gewusst? – Zum anderen würde ich den Eltern gern die Aufmerksamkeit und Dankbarkeit nachtragen, an der ich es als junge Frau häufig habe fehlen lassen, weil ich mit meiner eigenen jungen Familie und meinem Beruf beschäftigt war.