Burkhardswalde

In der DDR kannte die Mineralwasserflaschen mit dem blauen Etikett jedes Kind. Margonwasser galt als Qualitätsprodukt und war als Bückware meist nur unter dem Ladentisch zu bekommen. Reisende aus dem Westen machten mit dem DDR-Premiumprodukt (Die Kraft des Margon) im Interhotel Bekanntschaft. Noch werden in Burkhardswalde im Müglitztal bei Dresden jedes Jahr rund fünfzig Millionen Liter Margonwasser abgefüllt. Doch bald hat es sich ausgeprickelt.

Der neue Besitzer, die Hessische Hassia Mineralquellen GmbH & Co. KG, will die Quelle zum Jahresende versiegeln lassen. Sie sei unrentabel. Eine mehr als hundertjährige Tradition geht zu Ende.

Von seiner Terrasse kann Artur Kunz direkt auf die Brunnenanlagen schauen.

Der Alteigentümer des Mineralbrunnens sieht sein Lebenswerk dahingehen. Das schockiert mich alles so, dass ich nicht weiß, ob ich das überlebe, sagt der 89-Jährige.

Den geheimnisvollen Namen Margon hatte der Naturheilkundler Gottfried Moritz Gössel kreiert. Gössel entdeckte um die Jahrhundertwende im malerischen Müglitztal in der Sächsischen Schweiz eine Quelle, der er Heilkräfte zuschrieb. 1903 gründete er ein Unternehmen und begann, das Wasser in ganz Europa zu vertreiben. Besonders bei Augenleiden sollte die Augen-Quelle erstaunliche Wirkungen zeitigen. Die angeblich therapeutischen Erfolge erklärte Gössel damit, dass mit dem Quellwasser eine mystische heilende Energie namens Margon auf die kranken Menschen überging. Vor allem der Adel schwor auf die Wunderwirkung der Quelle. Gössel baute im Müglitztal einen Kurbetrieb auf, taufte seine Villa in Schloss Gesundbrunnen um und schrieb sogar ein Buch: Das Margon.

Nach 1972, als das Margon-Werk in Volkseigentum übergegangen war, machte der Betriebsdirektor Artur Kunz die Marke wieder zu dem, was sie vor dem Zweiten Weltkrieg schon einmal war: zum Mineralwasser der Privilegierten.