In den letzten Monaten der Regierung Kohl, man schrieb das Jahr 1998, fragten die Marktforscher von Allensbach 20000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger nach ihrem Befinden. Wie sich zeigte, ging es den Leuten nicht schlecht. Gut 29 Prozent bezeichneten sich damals als "sehr glücklich"; unglücklich waren zwölf Prozent.

In den letzten Monaten der Regierung Schröder wurde die Befragung wiederholt – und, Überraschung, so schlecht es dem Land angeblich geht, so gut geht es seinen Bewohnern. Der Anteil der Glücklichen war auf 32 Prozent gestiegen, jener der Unglücklichen auf etwas mehr als zehn Prozent gesunken.

Zwei Millionen glückliche Menschen mehr! Eine Million Unglückliche weniger! Warum sollte ein solches Volk seinen Kanzler abwählen?

Andererseits glauben demselben Meinungsforschungsinstitut zufolge 79 Prozent der Bundesbürger, ihr Land befinde sich in einer ernsten oder sogar sehr ernsten Krise. Was lag näher, als zu vermuten, dass dieses Volk sich bei nächster Gelegenheit eine neue Regierung wählen werde?

Was will das Volk? Deutschlands Meinungsforscher präsentieren sich dieser Tage so uneins wie ihr Forschungsgegenstand, das Wahlvolk. Ratlos versammeln sich die Demoskopen um die Trümmer ihrer Prognosen. Bei Allensbach, wo wie schon 2002 bis zuletzt unverdrossen eine schwarz-gelbe Mehrheit prophezeit wurde, tröstet man sich damit, dass man sich diesmal wenigstens "in guter Gesellschaft" befinde. Wohl wahr! Auch Forsa, dessen Chef Manfred Güllner bis zu seiner pointierten (und im Rückblick falschen) Prognose, Schröder habe keine Chance, als Hausdemoskop des Kanzlers galt, wähnte die Opposition auf der Siegerstraße. Nun entwickelt Güllner eine bizarre Theorie, der zufolge zahlreiche Anhänger der Union sich ihres Widerwillens gegen die eigene Kandidatin geschämt und in den Umfragen fälschlich bekundet hätten, Angela Merkel wählen zu wollen.

Bei der Forschungsgruppe Wahlen wiederum, die ihre Umfragen aus der letzten Woche vor der Wahl nicht zu veröffentlichen pflegt, lässt Institutschef Matthias Jung durchblicken, das Wahlergebnis habe ihn nicht überrascht. Leider hält die Forschungsgruppe ihre Zahlen auch nach der Wahl geheim.