Magdeburg/Hannover

Südlich der Donau oder westlich des Rheins dürfte der Name des kleinen Gebirgszuges vor allem mit einem mäßig erfolgreichen Sozialreformer der ausgehenden Ära Schröder verbunden werden. Tatsache ist aber, dass in der Gegend zwischen Braunschweig, Göttingen und Halle nicht viel wäre, wäre dort nicht der Harz. Und diese Tatsache mag die Verzweiflung erklären, mit der die Leute dort in diesen Tagen aufeinander losgehen, wie Menschen, denen ihr Einziges genommen werden soll. Bis ins ferne Hannover reichen die Erschütterungen - die niedersächsische Landesregierung spricht von einem unfreundlichen Akt.

Dabei denkt niemand daran, im ehemaligen Zonenrandgebiet Berge zu versetzen - dafür ist der Harz dann doch zu groß. Aber zumindest dem Namen nach ist eine gewisse Ostverschiebung ins Auge gefasst. Es geht um eine Kreisgebietsreform.

Am Donnerstag dieser Woche wird der Landtag von Sachsen-Anhalt die 21 Landkreise des Bundeslandes zu 11 neuen Großkreisen verschmelzen. Dagegen wäre aus niedersächsischer Sicht nichts einzuwenden - wollten nicht die bisherigen Landkreise Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode, in denen ein großer Teil des Ostharzes (und nicht mehr!) liegt, in Zukunft den Namen Landkreis Harz beanspruchen.

Landkreis Harz! Mit einem Landkreis Ostharz oder Brocken (nach der höchsten Erhebung) hätte man leben können - aber Harz, das ging den Westharzern zu weit. Menschen, die bislang nicht ungern in Kreisen mit Namen wie Goslar oder Osterode am Harz lebten, sehen nun ihr Geschäft gefährdet. Für unser Marketing ist das negativ, klagt Bernd Nessig, Kurgeschäftsführer des niedersächsischen Bad Lauterberg, das gegenwärtig noch zu den beliebtesten Tourismuszielen des Harzes gehört. Anmaßend sei die Namenswahl der östlichen Nachbarn, eine Täuschung zudem. Der Name Harz steht für das ganze Mittelgebirge, nicht für einen Teil.

Bislang stand der Name, jedenfalls aus westlicher Sicht, vor allem für den Westharz. Fast 1,8 Millionen Besucher lockte das Mittelgebirge im vergangenen Jahr an - fast 60 Prozent kamen in den Westen, obwohl dieser nur etwa ein Drittel des Gebirges umfasst. Mittlerweile jedoch hat die Infrastruktur des Ostharzes Westniveau. Mehr noch. Viele Hotels sind moderner, die Spaßbaddichte ist größer, den Fördergeldern sei Dank. Mit Sorge beobachten die Niedersachsen, wie die Zahl der Besucher in ihrem Teil des Harzes sinkt, im Ostteil dagegen zunimmt. Und es empört sie nicht wenig, dass die Ostharzer den Namen ihres neuen Kreises ganz ungeniert mit Blick auf die überregionale Außenwirkung ausgesucht haben, welche erhebliche Vorteile bei der Tourismusentwicklung erhoffen lasse.

So hatten sich die Wessis die Wiedervereinigung des Harzes nicht vorgestellt.