Die literarische Intelligenz tut sich seit jeher schwer mit Mathematik und theoretischer Physik. Das gilt noch in heutigen Klassenzimmern, das war selbst beim wissenschaftsbegeisterten Goethe so, der mit Newtons analytischer Rationalität haderte. Für Carl Friedrich Gauß, den mathematischen Zeitgenossen Goethes, war die Sache somit ziemlich klar: Goethe links liegen lassen. Deshalb lässt Daniel Kehlmann seinen Helden Gauß denn auch nach Weimar reisen, zu einem Abend im Hoftheater, dessen Intendant Goethe war, und der Fürst der Mathematik, der princeps mathematoricum, zieht enttäuscht erst vom Leder, dann von dannen. Das ist so nicht verbürgt, aber man weiß, dass Gauß in Weimar war und dass er Goethe nicht eigens sprechen wollte, damals ein Privileg – warum wohl nicht?
Daniel Kehlmann: Als die Geister müde wurden
Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt"