What is the capital of Germany? Studenten an einer deutschen Universität sollten die Frage nach der deutschen Hauptstadt eigentlich beantworten können. An der German University in Cairo (GUC) haben das allerdings nicht alle geschafft. Zwei antworteten vorsichtshalber gar mit einer Zahl. Das liegt weniger an Lücken in Geografie als an mangelnden Englisch-Kenntnissen.

So kann sich Klaus-Jürgen Teller, ehemaliger Management-Dozent an der GUC, an viele Sprechstunden erinnern, in denen Studenten einen Kommilitonen als Übersetzer ins Arabische mitbrachten.

Die Deutsche Universität in Kairo wurde 2003 von Kanzler Gerhard Schröder und dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak feierlich eröffnet, sie bekommt akademische Unterstützung der Universitäten Ulm und Stuttgart, Finanzspritzen vom Bundesbildungsministerium. Nach deutschem Modell sollen an der Privatuni Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften auf höchstem internationalen Niveau unterrichtet werden, sagte Gründungsrektor Aschraf Mansour, in Ulm habilitierter Physiker. Aber einige Kritiker unterstellen der Universität für Überflieger Startschwierigkeiten.

Ansprüche und Realität lägen an der GUCnoch weit auseinander. So ist die Unterrichtssprache Englisch, doch im English Department sind heute kaum englische Muttersprachler zu finden. Rob Evans, ehemaliger Leiter der Abteilung, wurde vor einem Jahr entlassen. Er hatte versucht, sich gegenüber der Universitätsleitung durchzusetzen und die Englisch-Standards aufrechtzuerhalten. In der chaotischen Anfangszeit schafften es Studenten an die GUC, die des Englischen kaum mächtig waren, erzählt Evans. Einige wurden so lange geprüft, bis sie drin waren.

Auch die Personalpolitik erinnere an einen ägyptischen Familienbetrieb, sagen Kritiker. Die Administration mit ihren unerfahrenen Angestellten ist mit den etwa 500 Mitarbeitern und über 2000 Studenten der GUC überfordert.

Das Ganze leidet an der Gigantomanie, alles geht viel zu schnell. Die GUC hat nicht das nötige Know-how im Projektmanagement, sagt Klaus-Jürgen Teller. Nachdem das ehemalige Vorstandsmitglied des Quelle-Konzerns wiederholt mit seinen Versuchen gescheitert war, etwas von den eigenen Management-Erfahrungen weiterzugeben, warf er kurz vor Weihnachten verärgert das Handtuch.

Wenn es so weitergeht wie bisher, sieht Teller spätestens dann große Probleme auf die GUC zukommen, wenn sich die ersten Absolventen auf dem ägyptischen Arbeitsmarkt behaupten müssen.