Künftig soll die Biometrie helfen, Reisende beim Grenzübertritt zu identifizieren. Alle Reisepässe, die vom kommenden Dienstag an beantragt werden, enthalten im Umschlag einen Chip, auf dem das Passbild digital gespeichert ist, und eine kleine Antenne. Der so genannte ePass soll Fälschern das Handwerk legen und die Jagd auf Kriminelle erleichtern. Damit zählt die Bundesrepublik international zu den Vorreitern. Die meisten anderen EU-Staaten sowie die USA, Russland, Kanada, Japan und Australien werden erst im kommenden Jahr mit der Ausgabe biometrischer Pässe beginnen. Besonders die Vereinigten Staaten hatten nach dem 11. September auf eine rasche Einführung der High-Tech-Papiere gedrungen und zurückhaltenden Staaten mit erschwerten Einreisebedingungen gedroht.

Äußerlich ist der EU-Biometrie-Pass von seinem Vorgänger kaum zu unterscheiden, sehr wohl aber beim Preis: Statt wie bisher 26 Euro müssen Bundesbürger künftig 59 Euro für einen zehn Jahre gültigen Reisepass ausgeben. Dafür soll er über die maschinenlesbare Erfassung des Bildes hinaus noch einiges leisten. Von März 2007 an werden als zweites biometrisches Merkmal die Abdrücke des rechten und linken Zeigefingers gespeichert. Noch allerdings sind in Deutschland die neuen Funktionen nutzlos. Erst im nächsten Jahr will die Bundesregierung an Grenzübergängen und auf Flughäfen Kameras anbringen, die das gespeicherte Foto mit dem Gesicht des Reisenden vergleichen.

Das Konzept der automatisierten Überwachung ist umstritten. Zwar hat das Bundesinnenministerium zugesichert, dass es keine zentrale Speicherung der biometrischen Daten geben wird. Dennoch fürchten Datenschützer, dass die neuen Pässe zum Aufbau vernetzter Datenbanken genutzt werden könnten. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, warnt außerdem vor zu viel Vertrauen in die Technik. Fehler beim Gesichtsabgleich an Grenzen und Flughäfen könnten für Reisende unangenehme Folgen haben. Der Chaos Computer Club empfahl als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, den neuen Pass in Alufolie einzuschlagen, damit die eingebaute Antenne nicht von Unbefugten zum Datenklau missbraucht wird.

Um das System so zuverlässig wie möglich zu machen, müssen die Passbilder neuen Standards genügen. Auf den Fotos darf man nicht mehr lächeln, das beliebte Halbprofil ist verboten, und es dürfen keine Zähne mehr gezeigt werden, fasst die Fotografin Katrin Hess die neuen Vorschriften zusammen.

Die Anweisung Bitte recht ernsthaft! kommt bei den Kunden in ihrem Hamburger Fotostudio nicht gut an. Es fällt mir schwer, Passbilder zu verkaufen, die den Leuten nicht gefallen. Immerhin akzeptieren die Meldebehörden neue Reisepass-Fotos mit dem frontalen Konterfei künftig auch für den Personalausweis, sodass für beide Dokumente das gleiche Motiv verwendet werden darf.

Angesichts des hohen Preises lohnt sich für manchen das Nachdenken darüber, ob er überhaupt einen neuen Pass braucht. Mit dem Personalausweis kommt man heute so weit herum wie noch nie: Alle 25 EU-Staaten erkennen ihn an, außerdem die Schweiz, Island, Norwegen, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien und die Türkei. Für einmalige Fernreisen rechnet sich die Ausstellung eines vorläufigen Reisepasses, der zwölf Monate gilt. Dessen Preis verdoppelt sich allerdings auch (von 13 auf 26 Euro), obwohl er weiterhin keine biometrischen Daten enthält.

Für die meisten EU-Bürger wird sich im November nichts ändern. Sie können ihre Dokumente bis zum Ablauf der Gültigkeit benutzen. Auch die amerikanischen Behörden erkennen die herkömmlichen bordeauxroten Reisepässe weiterhin an, die ja bereits maschinenlesbar sind, sagt eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.