Mit insgesamt 860 Milliarden Euro stand die Bundesrepublik Deutschland Ende des vergangenen Jahres bei ihren Gläubigern in der Kreide - doch niemand weiß, wem der Bund im Detail diese Riesensumme schuldet. Es gibt nicht einmal verlässliche Daten darüber, in welchem Maße er im Ausland verschuldet und wie hoch der Anteil der inländischen Gläubiger ist.

Anders als der private Bürger, der bei der Bank oder Sparkasse einen Kredit aufnimmt, macht der Bund Schulden, indem er Wertpapiere auf den Kapitalmarkt bringt. Das Problem: Er weiß zwar, wer diese Papiere gekauft hat, aber nicht, an wen diese Titel anschließend weiterveräußert werden. Es gibt lediglich eine Schätzung der Bundeswertpapierverwaltung, dass insgesamt nur etwa ein Prozent der Bundespapiere von privaten Anlegern und 99 Prozent von institutionellen Anlegern wie Banken und Fonds gehalten werden.

Das Kreditmanagement ist Sache des Finanzministeriums. Außerdem wirken die Bundeswertpapierverwaltung und die Bundesbank daran mit. Den Löwenanteil der Kreditaufnahme wickelt die vor fünf Jahren gegründete bundeseigene Finanzagentur ab. Sie verkauft die Anleihen, Obligationen und Schatzanweisungen in Auktionen, bei denen zurzeit 93 Banken - die so genannte Bietergruppe Bundesemissionen - mitbieten dürfen.

Insgesamt ist die Staatsverschuldung ein Riesengeschäft für das Geldgewerbe: Immerhin musste allein der Bund 2004 neue Kredite über 227 Milliarden aufnehmen, während er gleichzeitig alte Schulden in Höhe von 185 Milliarden Euro tilgte.