Konditormeister Hermann Kroppenberg aus Bergisch Gladbach in der Nähe von Köln liebt Webcams. Gleich vier Kameras hat er in Backstube und Garten installiert und überträgt ihre Bilder live ins Internet. Wer eine Hochzeitstorte bestellt hat, kann zugucken, wie die Zuckerrosen aufgespritzt werden. Das lohnt sich für den Bäcker, schon kommt ein Großteil der Bestellungen per E-Mail in die Konditorei. Bis vor einem halben Jahr gab es die süßen Ansichten allerdings nur im Miniformat, und auch das nur mit Unterbrechungen. Kroppenbergs Konditorei liegt nämlich im Stadtteil Bensberg, und dessen Telefonanschlüsse gehören zu den bundesweiten neun Prozent, für die die Telekom keinen schnellen DSL-Anschluss einrichten will. Der Internet-Konditor musste sich mit der zehnmal niedrigeren ISDN-Geschwindigkeit begnügen.

In vier Millionen Haushalten stockt das Internet

Der Grund dafür klingt paradox. Wie in weiten Teilen Ostdeutschlands hatte die Telekom auch in Bensberg in den neunziger Jahren die alten Kupfer- durch moderne Glasfaserkabel ersetzt. Damit sind weit höhere Übertragungsraten möglich als mit normalen Telefonanschlüssen. Allerdings gilt das nur in der Theorie, denn zur praktischen Nutzung fehlt die nötige Technik. Der populäre DSL-Zugang funktioniert bisher nur über Kupferkabel.

Konditor Hermann Kroppenberg sammelte Unterschriften, doch die Telekom blieb dabei, dass sie auch "mittelfristig" kein Turbo-Internet nach Bensberg bringen könne. Für Abhilfe sorgte schließlich DNS:Net, ein kleines Unternehmen, das bereits in Teilen von Stuttgart und Berlin einen schnellen drahtlosen Internet-Zugang anbot. Inzwischen sind auch 150 Bensberger darüber vernetzt. "Das System funktioniert einwandfrei", sagt Kroppenberg.

Bensberg ist kein Einzelfall, auch in einigen anderen Gemeinden haben sich Bürgerinitiativen auf eigene Faust einen schnellen Anschluss ans Internet geschaffen. Trotzdem bleiben vier Millionen Haushalte, in denen das Internet nur stockend funktioniert – vor allem im Osten und auf dem platten Land. Der noch amtierende Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sieht darin eine Wachstumsbremse. Und nicht nur er. "Sowohl bei den Anbietern als auch bei der angebotenen Technologie fehlt der Wettbewerb", sagt Michael Fromm vom Dortmunder Forschungsinstitut für Telekommunikation. 88 Prozent aller bestehenden Breitbandanschlüsse werden direkt von der Telekom bezogen, doch auch bei den restlichen 12 Prozent handelt es sich häufig um Telekom-Leitungen, die lediglich von anderen Unternehmen vermarktet werden. Noch schlechter steht es um die Vielfalt der eingesetzten Technik. Mit 97 Prozent hält DSL praktisch eine Monopolstellung.

Auch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland damit hinterher. In Frankreich und Großbritannien ist der Marktanteil der ehemaligen Monopolunternehmen deutlich unter 50 Prozent gefallen. Ein Blick über Europas Grenzen hinaus macht den Abstand noch deutlicher. Während hierzulande erst 18 Prozent der Haushalte über eine Breitbandverbindung verfügen, sind es in den USA bereits mehr als 25 Prozent. Unangefochtener Spitzenreiter ist mit 76 Prozent Südkorea.

Die Geschwindigkeit der Datenübertragung ist in Fernost zehnmal höher als bei deutschen DSL-Anschlüssen. Denn in Südkorea werden die Glasfaserkabel, die in fast alle Häuser führen, nicht nur für das Kabelfernsehen, sondern auch fürs Internet genutzt. Technisch wäre das in Deutschland genauso möglich. Doch von 18 Millionen Haushalten mit Kabelfernsehen macht noch nicht einmal ein Prozent von dieser Möglichkeit Gebrauch. Die zerstückelte Eigentümerstruktur der Kabelnetze hat den erforderlichen technischen Ausbau bisher verhindert.