Das Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung

Wer darf den Namen Spitzenuniver- sität tragen? Welche Hochschulen dürfen mit zusätzlichen Fördermitteln rechnen? Wenn die Gutachter über die Anträge der Exzellenzinitiative entscheiden, wird nicht nur die Qualität der zukünftigen Vorhaben eine Rolle spielen, sondern ebenso die Forschungsstärke der Hochschulen in der Vergangenheit.

Genau diese Leistung misst das neue Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), eine von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragenen Einrichtung. Eine Antwort auf die Frage, wo die voraussichtlichen Sieger des Wettbewerbs zu finden sind, zeichnet sich danach schon heute ab: vor allem im Süden Deutschlands. Schaut man sich jeweils die ersten Plätze in den CHE-Ranglisten an, befinden sich sechs der neun Hochschulen in Baden-Württemberg und Bayern.

Das Forschungsranking des CHE, das von der Deutschen Telekom Stiftung unterstützt wird, deckt insgesamt 13 Fächer aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften ab, von denen rund ein Drittel jedes Jahr neu erhoben wird. In diesem Jahr sind Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft sowie Soziologie an der Reihe.

Fragt man, an welchen Universitäten sich insgesamt die meisten der untersuchten Fachbereiche durch Forschungsstärke auszeichnen, brillieren die beiden Universitäten in München sowie jene in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Berlin (HU) und Bonn (siehe Grafik unten). In über 50 Prozent der untersuchten Fachbereiche schaffen sie den Sprung in die forschungsstarke Gruppe. Die TU München kann sogar über 80 Prozent der Fächer, mit denen sie ins Rennen geht, ganz oben platzieren.

Um dem Charakter und den jeweiligen Voraussetzungen der Universitäten gerechter zu werden, sortiert das Forschungsranking des CHE in diesem Jahr die Hochschulen in der Gesamtklassifikation erstmals in drei Gruppen : BILD

– So werden die technischen Universitäten als eine Gruppe für sich gewertet, weil sie nur einen Teil des Fächerspektrums anbieten, in erster Linie aus den natur- und und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen. Aufgrund der notwendigen teuren technischen Geräte, die für die Forschung in diesen Fächern notwendig sind, bekommen die Professoren hier weit mehr Drittmittel als ihre Kollegen zum Beispiel aus den Kulturwissenschaften. Zudem kann eine Universität mit einem klaren wissenschaftlichen Profil im Wettbewerb besser bestehen als eine Volluniversität, die alle Fächer anbieten muss. BILD

– Einen ähnlichen strukturellen Vorteil haben auch die mittleren Universitäten . Sie müssen weniger Studenten bewältigen, sind übersichtlicher, liegen meist in kleineren, typischen Studenten-Städten. Sie haben es deshalb einfacher, einen Gemeinschaftsgeist auszubilden, der für die Profilierung einer Universität wichtig ist. BILD

– Am schwersten haben es die großen Universitäten. Diese Tanker des deutschen Hochschulsystems müssen, wie etwa die Universität Köln, bis zu knapp 60000 Studenten unterrichten. Als Massenuniversitäten, deren Institute zudem oftmals über eine ganze Großstadt verstreut sind, haben sie damit automatisch einen Startnachteil. BILD

»Natürlich sind derartige Einteilungen immer mit einer Prise Willkür verbunden«, räumt Sonja Berghoff vom CHE ein. So nennt sich Dresden zwar Technische Universität, besitzt aber dennoch ein großes Fächerspektrum. Doch egal, welche Kriterien man zugrunde legt: Es sind meist dieselben Universitäten, welche die vorderen Plätze einnehmen. Auch beim Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das die Drittmittel zählt, liegen viele der Champions der CHE-Ranglisten an der Spitze – und meist im Süden der Republik.

Diese Tendenz wird sich dank der Beschlüsse zur Föderalismusreform verstärken. Danach sollen allein die Bundesländer in Zukunft für die Hochschulen zuständig sein. Reiche Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg können ihre Universitäten einigermaßen ausstatten. Einrichtungen in ärmeren Regionen wie etwa in Mecklenburg-Vorpommern oder im Saarland haben das Nachsehen. Sie hängen stark von der Finanzierung des Bundes ab. Aber die Finanzspritzen aus Berlin fallen bald weg. spi

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