Singt ein Musiker aus Degerfors, einer Kleinstadt im schwedischen Värmland, amerikanischen Südstaatenblues, dann ist das gar nicht so absurd, wie es scheint. "Wie in Amerika sang man auch in Schweden, um die Arbeit leichter und die Mühen erträglicher zu machen", sagt Nils Landgren. Im Mai dieses Jahres war er in New Orleans, das bis heute als Geburtsstadt des Jazz gilt und wo seit hundert Jahren die Schwarzen den Blues singen. Dort traf sich Landgren mit Musikern aus der Stadt, an seiner Seite der Pianist Joe Sample, Mitbegründer der Funkband The Crusaders. Nach vier Tagen im Studio war das Album Creole Love Call fertig.

Der Funkposaunist Landgren war schon auf früheren Platten als Sänger zu hören. Das klang manchmal sanft säuselnd, manchmal schneidend scharf. Nun hören wir, dass ein Schwede wirklich wie ein Schwarzer singen kann, so mild tönt die Stimme und auch ein bisschen mürbe. Eine reine Bluesplatte ist Creole Love Call aber nicht geworden. Das erste Stück Get Out Of My Life Woman folgt noch dem Zwölftaktschema, was aber dann kommt, ist eine bunte Mischung aus der Welt des Jazz. Mal wummert ein Rockbeat vom Schlagzeug. Mal zupft der Kontrabassist einen Salsarhythmus. Ab und zu brummt Funk aus dem Fender-Rhodes-Piano. Dann wieder heult Landgren eine Soulballade im Duett mit Charmaine Neville. Doch immer sind es einfache Songs. Die Quelle ihrer Energie ist der Blues.

Unerwartet intensiv und eigenständig ist Sittin’ On The Dock Of The Bay geraten, ein Klassiker des Rhythm ’n’Blues von Otis Redding, hier von Landgren und Ray Parker Jr. im Duett gesungen. Sample presst den ersten Akkord in die Klaviatur, den zweiten tupft er, kaum hörbar, auf die Saiten, und die Melodie erklingt, noch bevor sie gespielt wird – ein kleines Wunder, wie es nur im Jazz möglich ist.

Zwischen Parodie und purer Spielfreude bewegen sich dann die letzten beiden Stücke, arrangiert für Blaskapelle, Marschtrommel und Basstuba, die traditionelle New-Orleans-Besetzung – eine Hommage, die man nach dem Hurrikan Katrina im vergangenen Sommer mit Wehmut hört. Aber zugleich schwingt Hoffnung mit. Das Studio, in dem Creole Love Call aufgenommen wurde, ist von der Flut verschont geblieben. Bald wird hier die nächste Platte produziert.