Bauwirtschaft
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Der Job war hart und schlecht bezahlt: 60 Stunden pro Woche für 150 Euro. Mehr als drei Monate lang ging das so. Die zehn türkischen Eisenbieger waren bis vor kurzem bei einem türkischen Subunternehmer des Frankfurter Baukonzerns Wayss & Freytag beschäftigt, arbeiteten auf der Baustelle der Neuen Messe beim Stuttgarter Flughafen. Nachdem der Europäische Verband der Wanderarbeiter und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) davon erfuhren, machten sie Druck. Mit Erfolg: Am Montag einigte sich Wayss & Freytag mit den Männern auf eine Entschädigung. Gerüchten zufolge sollen ihnen mehr als 18000 Euro nachgezahlt werden.

»Leider ist diese Praxis kein Einzelfall«, sagt Sigrun Heil von der IG Bau. Tatsächlich ist Schwarzarbeit wohl nirgends so verbreitet wie in der Bauwirtschaft. Lohndrückerei hat Konjunktur. Besonders schlimm sei die Lage auf Großbaustellen, wo fast nur noch ausländische Arbeitnehmer beschäftigt werden – meist aus Osteuropa. Viele schufteten für Hungerlöhne zehn und mehr Stunden lang an sechs Tagen in der Woche und wohnten zusammengepfercht in Containern auf der Baustelle. Kommt es zu einer Razzia, hören die Beamten von den Arbeitern stets die gleiche Geschichte: 12,47 Euro Stundenlohn – also exakt das gesetzliche Minimum –, fünf Tage Arbeit pro Woche. Oft sind es die einzigen Zahlen, die die Arbeiter auf Deutsch sagen könnten. Auch lassen sich manche Chefs die formal korrekte Bezahlung des Mindestlohns von ihren Arbeitern schriftlich bescheinigen – und drücken den Beamten den Zettel in die Hände. Die sind nicht selten machtlos.

Die Atmosphäre ist vergiftet. »Feinde muss man bekämpfen bis hin zur Vernichtung«, polterte der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel vor wenigen Wochen auf dem Gewerkschaftstag in Bonn. SER

Schlachthöfe
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Sie töten und zerlegen, damit Würste und Schnitzel billig bleiben. Doch die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sind oft so miserabel, dass Franz-Josef Möllenberg von der Gewerkschaft NGG um die »artgerechte Arbeitnehmerhaltung« fürchtet.