Händeschütteln, immer wieder Händeschütteln. Herzlichen Glückwunsch, Herr Müller. Strahlend bahnt sich Klaus-Peter Müller den Weg durch die Menge. Der Chef der Commerzbank hat mit der Blitzübernahme der Eurohypo einen Überraschungscoup gelandet und wird von den Teilnehmern eines internationalen Bankkongresses in Frankfurts Alter Oper wie ein Popstar bedrängt.

Klasse, der Müller hat Mut, sagt ein langgedienter Vorstand einer anderen Frankfurter Großbank. Dieter Hein vom unabhängigen Analystenhaus Fairesearch meint: Mir gefällt die Strategie, im deutschen Markt wachsen zu wollen.

Selbst die ansonsten bei Übernahmen eher kritischen Ratinganalysten verteilen Lorbeer. Passt, sagt Thomas von Lüpke von Fitch Ratings. Zwei große, starke Spieler, die ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Mit dem Kauf der Eurohypo, des größten deutschen Immobilienfinanziers, katapultiert sich die Commerzbank, die bisherige Nummer vier, auf Rang zwei der deutschen Banken - gemessen am Ertrag und an der Bilanzsumme, direkt hinter den Primus Deutsche Bank. An der Börse honorierten die Anleger die Aktion. Mehr als fünf Prozent legte die Aktie binnen einer Woche zu - trotz einer Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung. Einen besseren Erfolgsindikator gibt es kurzfristig nicht. Der ewige Übernahmekandidat Commerzbank ist wieder zurück im Spiel - als Angreifer. Erste Priorität ist der Kauf einer weiteren Bank in Deutschland, posaunt Müller jetzt in die Mikrofone.

Die neue Commerzbank sei ein warrant on Germany, sagt der Chef des deutschen Ablegers der französischen Investmentbank Cheuvreux, Lorne Campbell, eine Wette auf das Wiedererstarken der drittgrößten Wirtschaftsmacht. Darauf setzen auch amerikanische Private-Equity-Fonds. Sie kaufen Firmen und seit nunmehr zwei Jahren vor allem Immobilien - rund 350 000 Wohneinheiten gingen dieses Jahr in überwiegend ausländischen Besitz über, schätzt Christian Schulz-Wulkow, Partner bei Ernst&Young Real Estate.

Dafür legten sie 13 Milliarden Euro auf den Tisch. Auch die italienische Bank Unicredit hat mit dem Kauf der HypoVereinsbank (HVB) ihre Wette auf den deutschen Markt platziert. Mit der Commerzbank setzt aber erstmals ein deutsches Institut auf den Aufschwung im Inland.

Warum haben wir die Eurohypo nicht übernommen?, fragten sich inzwischen einige Top-Banker in der Dresdner und Deutschen Bank, wie Insider berichten.