Hat ein intelligenter Designer die Welt erschaffen? Religiöse Fundamentalisten glauben das und suchen den Kulturkampf mit der Wissenschaft.

Die aber ist längst einen Schritt weiter: In den USA diskutieren Physiker darüber, wo der Schöpfer eine Botschaft für uns versteckt haben könnte. Steve Hsu und Anthony Zee, zwei Theoretiker der Universitäten von Oregon und Kalifornien, stellen diese Frage in einem wissenschaftlichen Aufsatz und behaupten: Wenn Er uns eine Nachricht hinterlassen wollte, steht sie am Himmel geschrieben.

Gottes Graffiti könnten sich in der kosmischen Hintergrundstrahlung verbergen, dem Echo des Urknalls. Diese Mikrowellenstrahlung erfüllt das Universum - sie stammt aus einer Zeit kurz nach dem Urknall, als die Elementarteilchen sich zu Atomen vereinigten und das Universum für elektromagnetische Strahlung transparent wurde. Die kosmische Hintergrundstrahlung ist wie ein gigantisches Schwarzes Brett am Himmel, schreiben Hsu und Zee, sichtbar für alle technologisch fortgeschrittenen Zivilisationen.

Astrophysiker messen je nach Himmelsrichtung leicht unterschiedliche Strahlung - aus diesen Daten schließen sie auf die Verteilung der Materie im frühen Universum. Die Himmelskarte der Mikrowellenstrahlung eignet sich aber auch dafür, eine Botschaft zu kommunizieren, meinen die beiden Physiker. 10 bis 100 Kilobit Information hätte der Schöpfer nach ihren Berechnungen darin unterbringen können. Das reicht immerhin für einen Leitartikel der ZEIT.

Der Aufsatz Message in the Sky wurde im zentralen Archiv für Physikpublikationen (www.arxiv.org/physics/0510102) veröffentlicht. Außerdem diskutiert Hsu auf seinem Weblog infoproc.blogspot.com die Thesen. Ob er sich damit um Forschungsgelder bei der religiösen Templeton-Stiftung bewerben wolle, wurde er gefragt. Es geht hier um ein legitimes Thema der theoretischen Physik, so legitim wie >Seti< oder die Drake-Gleichung, sagt Hsu. Das Seti-Projekt sucht am Himmel nach Signalen von Außerirdischen - die Gleichung des Astronomen Frank Drake schätzt die Wahrscheinlichkeit ab, dass in unserer Galaxie intelligentes Leben existiert.

Es gibt freilich weitere Vorschläge, wie sich Gott verewigt haben könnte. In der Abfolge von DNA-Basen des Menschengenoms könnte eine Botschaft codiert sein, in den Ziffern der Zahl Pi oder in Gesteinsschichten des Grand Canyons, wie religiöse Gruppen in den USA vermuten.

Bei allen Schöpfungsfantasien, die die Autoren offensichtlich in ihrer Arbeit ausgelebt haben - im Kern geht es um eine Frage, die Kosmologen seit je umtreibt: Warum ist der Kosmos ausgerechnet so beschaffen, dass er Leben ermöglicht? Schließlich ist unser Universum nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten.