In wenigen Tagen jährt sich die Tsunami-Katastrophe, welche mein Mann und ich im Vorjahr in Sri Lanka miterlebten. Damals entstand unser Hilfsprojekt Give Hope: ein Wiederaufbauprogramm, finanziert aus eigenen Spendensammlungen, aus Mitteln der Stiftung Nachbar in Not und der Austrian Developement Agency. Mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro werden für die beiden verwüsteten Fischerdörfer Paranakady und Maradana im Verwaltungsbereich der Stadt Beruwala an der Südwestküste von Sri Lanka 90 neue Häuser gebaut.

Paranakady ist von Singhalesen, mehrheitlich Buddhisten und Katholiken, bewohnt; Maradana ist ein traditionsreiches muslimisches Siedlungsgebiet. Hier landeten im 6. Jahrhundert die ersten Schiffe arabischer Händler, die den Islam nach Sri Lanka brachten. Zunächst hatten wir der Bevölkerungszusammensetzung noch wenig Beachtung geschenkt. Doch im Verlauf des vergangenen Jahres wurden wir immer tiefer in das ethnische Dickicht verstrickt. Gerade in den letzten Wochen sind die Probleme mit der lokalen Behörde des Divisional Secretary von Beruwala derart eskaliert, dass ein Abbruch unseres Hilfsprojektes droht.

Mr De Silva, der Divisional Secretary, ist kein Freund von Maradana, denn in dem ärmsten Teil seines Verwaltungsbezirkes leben ausschließlich Muslime. Arme Muslime. Die meisten sind Fischer oder Gelegenheitsarbeiter. "Maradana ist ein sehr schwieriger Ort", belehrte uns Mr De Silva schon vor acht Monaten, als wir ihm unser Projekt vorstellten. Damals konnten wir noch nicht ahnen, was er damit tatsächlich meinte. Als wir ihn vor wenigen Tagen wieder einmal aufsuchten, ließ er uns deutlich spüren, dass wir nicht erwünscht waren. Ein klärendes Gespräch fand nicht statt, denn er telefonierte und unterschrieb Akten. In dürftigem Englisch erklärte er bloß: " You in this area not settle Muslims. Cultural problem. "

"Ihr dürft keine Muslime ansiedeln! Es gibt kulturelle Probleme!"

Auf der politischen Bühne Beruwalas gibt es noch weitere Personen, die sich nicht als Freunde von Maradana bezeichnen würden. Diese inszenierten vor zwei Wochen eine Demonstration gegen unser Projekt. Sie richtete sich gegen die Ansiedlung muslimischer Tsunami-Opfer auf einem Grundstück, welches Give Hope erworben hatte, um darauf 90 Häuser zu errichten. Ein 2,5 Hektar großes Areal, etwa 1,5 Kilometer von Maradana entfernt, in einer so genannten mixed area der Stadt Beruwala. Hier leben 53 Prozent Muslime und 45 Prozent Singhalesen.

Auf den Transparenten der Demonstranten lasen wir: "Erste und letzte Warnung! Verlasst das Land". Wenn wir schon Häuser für Muslime errichten wollten, bekamen wir zu hören, dann im "richtigen ethnischen Verhältnis". Und dieses liege in Sri Lanka nun einmal bei 90 Prozent Singhalesen und acht Prozent Muslimen. Unser Argument, dass der Tsunami die Häuser unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe zerstört hatte, ließen die Demonstranten nicht gelten.