Leuchtend rot, schwarz und gelb ringeln sich die Königsnattern – bis auf eine. Die Albinoschlange kann aufgrund eines defekten Gens fast keine Pigmente bilden und muss sich mit einem gelben Streifen auf ihrem weißen Schuppenkleid begnügen. Das macht sie in den Augen ihrer Artgenossen allerdings nicht mehr oder weniger attraktiv. Schlangen sehen sehr schlecht. Zur Orientierung verlassen sie sich einerseits auf den Geruchssinn: Die zweizipflige Zunge bringt Duftmoleküle in das Jacobsonsche Organ im Gaumendach. Andererseits hilft den Tieren das "dritte Auge", Feind und Beute zu erkennen: Infrarotsensoren liefern detaillierte Wärmebilder anderer Lebewesen. Gefahr droht der weißen Natter dennoch. Schlecht getarnt, fällt sie Greifvögeln und Wüstenfüchsen schneller zum Opfer. Leben können die Raubtiere vom Unglück der Albinos jedoch nicht. Die Außenseiter kommen in der Natur äußerst selten vor. Nur eine von 20000 Schlangen hat einen solchen Gendefekt.

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