Wer sammelt, bringt in das Unübersichtliche eine (vermeintliche) Ordnung, wer systematisiert, setzt die Dinge neu in Beziehung zueinander und macht in der Zusammenschau aus dem scheinbar Wertlosen oder Nebensächlichen, aus der Randbemerkung und der Marginalie eine Kostbarkeit von eigener Qualität: Das Kleine und das Singuläre entfaltet in der Zusammenschau Größe, ein Sinn muss nicht sein. Ben Schott schätzt und schafft Ordnung. Seine erfolgreichen Text-Sammlungen, auf jeder besseren Toilette zum Zeitvertreib ausliegend - Sammelsurium und Sammelsurium Essen & Trinken -, hier in Ausschnitten auf zwei CDs präsentiert, sind Arsenale der Erinnerung. Er selbst ist ein Besessener (Sammler handeln stets faszinierend zwanghaft), ein Liebhaber, der sich verguckt hat in alltägliche und deshalb kuriose Statistiken, Klassifikationen, Kategorisierungen, Abkürzungen, Formate, Fachausdrücke und Sprachspiele. Die Schauspieler Stephan Benson, Stefan Kurt und Kai Maertens versuchen nun die Schottsche Wertschätzung des Kleinen und Unbeachteten auch in ihre Stimmen zu legen, das Aufgelistete mit hörbarer Anerkennung aufzuladen. 77 Kleinigkeiten benennen sie auf der CD Sammelsurium: Nato-Alphabet, Kardinaltugenden, Schutzheilige, Phobien, Weltmeere, Todsünden, Musen und Morde. Auf der CD Schotts Sammelsurium Essen & Trinken (Hoffmann & Campe, je 85 Min., 17,95 e) ruft das Sprecher-Trio 75 kulinarische Beiläufigkeiten aus: internationale Trinksprüche, Zigarrenfarben, EU-Eierkennzeichnungen et cetera - und im et cetera liegt das Denk- und Konstruktionsprinzip der Bestsellerbüchlein des Engländers. Die Schauspieler wechseln in flottem Sprechtempo einander ab, variieren eifrig und versuchen dem Aufgelisteten eine klingende Form zu geben. Manchmal gelingt das: bei den Spargelklassen, den Zungenbrechern und den Palindromen.

Genarrt jedoch fühlt man sich als Hörer, wenn mit verschwörerischer Stimme die Verteidigungsstufen des US-Militärs beschrieben oder scheinbar suchend Regierungsformen definiert werden. Wenn die drei also so tun als ob. Wenn die absichtsvolle Inszenierung des Sammelsuriums hörbar wird, obwohl doch gerade das Nebenbei des gesammelten Irrsinns unser Hörvergnügen erzeugt. Aber dort, wo die Schottsche Fundgrube durch ein Hörbarmachen an Wert gewinnt, wird die Artikulation zur Pointe.