Einen Weihnachtsmann wie Billy Bob Thornton lassen nur Harmonieverweigerer zur Tür herein. Letztes Jahr spielte er in der Jahresendkomödie Bad Santa einen herumhurenden Säufer, der nicht einmal zu Kindern nett sein konnte. Thornton scheint festgelegt auf Loser-Typen: als wortkarger Friseur in The Man Who Wasn't There, als reaktionärer Gefängniswärter in Monster's Ball oder als tumber Gelegenheitsmörder in A Simple Plan. Manchmal wirken die Ringe unter seinen Augen dicker als die an seinen Fingern. Doch Thornton ist ein Multitalent, führte achtbar Regie, bekam auch einen Drehbuch-Oscar. Ein kultivierter Underdog, der sich gern mit offenem Hemd vor morschen Straßenkreuzern fotografieren lässt. Jetzt, mit 50, klopft er als Hobo an die Tür, nicht in seinem Hauptberuf als Schauspieler, sondern als Sänger.

Seinem derart dekorativ verwitterten Gesicht glaubt man das Faible für Musik nicht ohne weiteres. Doch im Gegensatz zu anderen Hollywood-Größen, etwa Bruce Willis, deren musikalische Ambitionen eher an After-Show-Partys erinnern, erscheint Thornton vom ersten Takt an als ernsthafter Musiker. Er hat schon lange mit Leuten wie Warren Zevon, Dwight Yoakam oder Daniel Lanois gespielt und nun sein drittes Album im eigenen Studio aufgenommen, veröffentlicht bei einem kleinen Liebhaber-Label. Das Studio befindet sich in der Hobos-Villa in Beverly Hills, nicht in der Scheune in Arkansas, wo er geboren wurde. Trotzdem hat der Geist von Country und Southern Rock den gelernten Kalifornier, Schlagzeuger und Gitarristen Thornton von Kindesbeinen an beseelt. An einem guten Tag schreibt man keinen guten Song, hat Johnny Cash gesagt. Also muss Thornton auch ein paar miese Tage gehabt haben. Selbst dort, wo es angeblich nie regnet, gibt es ja Leute mit indifferenten Gemütslagen. Seine Texte sind Kurzgeschichten, Minireportagen, Tagebuchskizzen aus einer Welt jenseits des Swimming-Pools. Über Leute im Knast oder wild gewordene Hausfrauen. Nicht der reine white trash, wie bei Tom Waits, eher Leute, die an die last frontier ihrer gescheiterten Träume stoßen.

Hobo ist ein Album über Kalifornien, eingespielt mit den Mitteln der Südstaaten: tiefes Timbre, lässige Motorik, sirrende Slide-Gitarren. Knorrig im Ansatz und melancholisch im Abgang. Ein angenehmer Gast, wenn's draußen kalt ist.

Billy Bob Thornton: Hobo

(Hyena Records/Rough Trade RTD 55889812)