Borna/Leipzig

Der Mann wollte doch bloß ein Kreuz aufstellen, als Mahnung an die Menschen, Frieden zu bewahren. Was hätte man dagegen vorbringen sollen?

Nun, da es zu spät ist, da das südlich von Leipzig gelegene Städtchen Borna mit seinen knapp 23 000 Einwohnern als neuer Hort des Rechtsextremismus gilt - nun wissen alle es besser. Die Landrätin Petra Köpping (SPD) schimpfte, die Stadtverwaltung habe ihre Warnungen in den Wind geschlagen. In Dresden meldeten sich besorgte Parlamentarier von SPD und PDS zu Wort. Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) eilte persönlich in die Stadt und forderte, sich dem zu stellen, was hier Fuß gefasst hat. Das Kreuz, so scheint es, hat Haken.

Am 11. Oktober war es, als ein betagter Architekt aus Meerbusch mit Namen Ludwig Limmer im Bauausschuss der Stadt Borna beantragte, auf seinem kürzlich erworbenen Grundstück Röthaer Straße 22-24 ein stählernes Kreuz aufstellen zu dürfen. Zwölf Meter hoch sollte es sein und an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern. Darüber hinaus, erklärte Limmer, plane er ein Begegnungszentrum für Russlanddeutsche, in das er immerhin eine viertel Million Euro zu investieren gedenke. Träger solle sein Verein Gedächtnisstätte e.V. sein.

Einstimmig und freudig habe man eingewilligt, erinnert sich die CDU-Abgeordnete Brigitta Ast. Baurechtlich gab es nichts zu beanstanden - die Kirche hatte auch keine Einwände. Besonders freute sich der parteilose Oberbürgermeister Bernd Schröter, denn der Auftrag für das Kreuz - 5000 Euro für zwei verschweißte Vierkantrohre - ging an seine Metallbaufirma.

Inzwischen ist Schröter das Lachen vergangen. Er hat erfahren, dass Herrn Limmers Gedächnisstätten-Verein eine wegen Volksverhetzung verurteilten Rechtsextremistin angehört. Und er weiß nun von dem ebenfalls rechtsextremen Collegium Humanum des NPD-Anwalts Horst Mahler in Vlotho, das nach Auskunft des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes dieselbe Anschrift hat wie der Verein - ein Umstand, den Herr Limmer auch auf mehrfache Nachfrage nicht kommentiert.

Offenbar ist die Suche des rechtsradikalen Lagers nach einem geeigneten Ort für ein Zentrum in Ostdeutschland endlich zu Ende. Aber wessen Schuld ist das?