Eltville/Rheingau

Wenn Dieter Greiner, Geschäftsführer der Hessischen Staatsweingüter, Gäste durch seine Kellerei führt, ist er nicht eben bemüht, einen besonders guten Eindruck zu vermitteln. Im Gegenteil. Schauen Sie mal hier, sagt Greiner und leuchtet mit einer Taschenlampe in einen Weintank aus Beton. Die reinste Mondlandschaft. Die Tanks aus den fünfziger Jahren sind längst veraltet.

Immer wieder löst sich der Lack im Inneren. Dann muss ein Arbeiter in den engen Tank kriechen und nachstreichen. Das ist alles Murks, wir flicken hier ständig nur und improvisieren. Greiner will sagen: Hier kann man auf Dauer keinen Qualitätswein mehr produzieren.

Die Hessischen Staatsweingüter, mit rund 200 Hektar Rebfläche Deutschlands größter Weinbaubetrieb, wollen deshalb umziehen. Raus aus der Enge in dem Städtchen Eltville am Rhein, hinauf zum legendären Steinberg, nur ein paar Kilometer entfernt am Waldrand bei Kloster Eberbach. Mönche des Zisterzienserklosters Clairveaux in Burgund hatten den 32 Hektar großen Weingarten im 12. Jahrhundert angelegt und mit einer hohen Mauer umgeben.

Hier, auf historischem Boden, soll die neue Zentralkellerei der Hessischen Staatsweingüter entstehen.

Der Staat als Winzer? In ordnungspolitischen Fragen hatte sich Hessens Landesregierung bislang eher orthodox und bisweilen geradezu radikal gebärdet. Gerade hatte das Land das erste Privatgefängnis Deutschlands eingeweiht - als erstes Bundesland verkauft Hessen dieser Tage eine Universitätsklinik an einen privaten Investor - und nun hat Ministerpräsident Roland Koch, freilich in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratschef der Landesweingüter, plötzlich 7,5 Millionen Euro für einen neuen Staatsweinkeller übrig! Um den Rest der 15-Millionen-Investition zu finanzieren, sollen die Weingüter sich verschulden.

Wenn es um hessischen Staatswein geht, lässt die Landesregierung gängige Argumente gegen staatliches Unternehmertum nicht gelten. Natürlich macht das Land mit Steuermitteln privaten Weinbauern Konkurrenz, wie ein Kreis von Winzern um den früheren Präsidenten des Rheingauer Weinbauverbandes Richard Nägler kritisiert. Na und? An eine Privatisierung der Staatsweingüter denke man nicht, sagt Regierungssprecher Dirk Metz. Im Gegenteil, das Land investiert - es will mit seinen Reben endlich Geld verdienen. Von 2011 an soll die Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach GmbH, seit vielen Jahren ein Zuschussbetrieb, Gewinn abwerfen und den Steuerzahlern nicht länger auf der Tasche liegen.