Bryan Sykes glaubt nicht, dass er am Ende seiner Suche auf einen Alten mit Rauschebart stoßen wird. Der Professor der University of Oxford spürt "Father Christmas" nach – dem Urahnen aller Familien namens Christmas. Und zwar mittels Genanalyse.

Das ist weniger bizarr, als es scheint. Wie Sykes vor fünf Jahren nachwies, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Nachnamen und Y-Chromosomen der Männer. Beide werden über die Väter vererbt und im Lauf der Generationen nur durch kleine Schreibfehler beziehungsweise Mutationen verändert. Sykes konnte daher die Verwandtschaftslinien von Hunderten seiner Nachnamensvettern – auch seine eigene – auf einen Mann zurückführen, der im 13. Jahrhundert in Yorkshire lebte. Und weil das Medienecho darauf riesig war, gründete der geschäftstüchtige Genetiker umgehend die Firma Oxford Ancestors, die solche Analysen seither gegen Entgelt im Auftrag von Hobby-Familienforschern erstellt.

Für Sykes sind solche Daten Puzzlesteine zu einem größeren Bild, mit dem er eine ganze Reihe von Fragen beantworten will: Woher kamen die Menschen, die seit dem frühen Mittelalter in England siedelten, wohin sind sie weitergezogen, und wie haben sie sich seither mit Menschen anderer Völker vermischt? Wanderten sie überhaupt so viel, wie man bislang annahm?

Familie Christmas hofft, dass Sykes nicht nur ihren Namensgeber findet, sondern auch gleich klärt, ob ihre Vorfahren Sachsen, Kelten oder Normannen waren. Am liebsten wären ihnen die Normannen, die 1066 mit Wilhelm dem Eroberer auf die Insel kamen. Schon eine alte Schreibweise ihres Namens – Chrystmasse – deute auf einen normannischen Ursprung der Sippe hin, meint Familienforscher Henry Christmas.

"Unwahrscheinlich", sagt Sykes. Auch wenn sich die Normannen in England größerer Beliebtheit erfreuten, seien die meisten Siedler aus dem heutigen Niedersachsen oder Westfalen gekommen. Doch mit etwas Glück finde er bei der Variante des Y-Chromosoms, die für Familie Christmas typisch sei, bestimmte Genmerkmale, die vor allem bei Menschen mit skandinavischem Ursprung verbreitet seien.

Das setzt voraus, dass sich die verschiedenen Zweige der Familien Christmas überhaupt auf eine einzige Wurzel zurückführen lassen. Etwa 2000 Menschen mit dem Namen leben heute im Vereinigten Königreich, die meisten von ihnen in Essex und in Sussex. Ob diese zwei Hauptstränge tatsächlich verwandt sind, konnte Familienforscher Henry Christmas selbst nach 50 Jahren Quellenstudium nicht ermitteln.

Vor allem auf diese Frage soll nun Sykes eine Antwort geben. Und der ist "bei einem so seltenen Namen" zuversichtlich, dass die Familie nur einen oder zwei Stammväter hat. Um das zu prüfen, entnimmt er so vielen Christmas-Männern wie möglich mit einem Wattestäbchen einige Zellen aus der Wangeninnenseite, isoliert daraus die jeweiligen Y-Chromosomen und vergleicht sie auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede.