Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg hat unter lautem Protest sein Amt als Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Künste niedergelegt. Die Akademie, so sagte er sinngemäß, sei reformunfähig und nicht einmal ansatzweise gewillt, der öffentlichen Bedeutung gerecht zu werden, die ihr spätestens seit ihrem Übergang in Bundesträgerschaft zukomme.

Daran ist manches richtig und auch schon früher beklagt worden. Leider verliert der Schritt etwas an Schwung und Überzeugungskraft, wenn man bedenkt, dass Muschg in einem halben Jahr sowieso ausgeschieden wäre - ein Wiederwahl stand nicht zur Diskussion. Er ist auch nicht der erste Präsident, der mit dem leicht kränkbaren Ruhebedürfnis der Mitglieder seine liebe Not gehabt hat. Unvergesslich die große Ausstellung Junger Kunst, die sein Vorvorgänger Walter Jens gegen manche Widerstände, insbesondere in der Sektion Bildende Kunst, 1994 durchgesetzt hat. Der öffentliche Erfolg war überwältigend - nur die bildenden Künstler unter den Mitgliedern beharrten auf ihrer Einschätzung, es sei eine unwürdige Ausstellung mit unausgegorenen Werken unreifer Jungspunde gewesen, eigentlich ein Schandfleck für die Institution.

Nun ist die ehemals preußische Akademie nicht die einzige, die sich lieber als geselliger Club prominenter Künstler versteht und, wenn überhaupt, dann nur mit ihren eigenen Mitgliedern an die Öffentlichkeit treten will, aber auch das nur so, dass sich niemand etwa zurückgesetzt fühlen muss. Sowohl die Mainzer wie die Bayerische Akademie der Künste verfahren fast vollständig nach diesem diskreten Prinzip - gemessen an ihnen, war die Berliner schon immer und unabhängig von ihren Präsidenten eine geradezu krawallig auftretende Einrichtung. Im Veranstaltungskalender der Hauptstadt nehmen ihre Diskussions- und Vortragsabende einen durchaus erkennbaren Platz ein.

Nur freilich haben die Fachsektionen dabei stets ihre Selbstständigkeit bewahrt - an gemeinsamen Auftritten mangelte es und auch an einem entschiedenen Design der politischen Einmischung, wie es sich Muschg so sehr gewünscht hätte. Deshalb hatte er einen sektionsübergreifenden Programmdirektor installieren wollen, und der Widerstand dagegen war es, der ihn schließlich zum verbitterten Rücktritt zumindest offiziell bewog. Es gab freilich genügend andere Misshelligkeiten, die er von seinen Vorgängern geerbt hatte: die technischen Probleme mit dem Neubau am Pariser Platz, die unsichere Lage der Archive, die dort wegen Feuchtigkeit der Tiefgeschosse nicht unterzubringen sind, schließlich die Regelüberprüfung der Akademieangestellten auf Stasi-Tätigkeit, die mit der Übernahme in die Hoheit des Bundes droht. Seit der Vereinigung der Akademien Ost und West ist die DDR-Vergangenheit noch immer ein nicht annähernd bewältigtes Thema. Der liebenswerte, aber oft autoritär und herrisch auftretende Muschg wäre vielleicht ohnehin nicht der Mann gewesen, die Akademie durch kalkulierte Streicheleinheiten auf eine härtere Zukunft vorzubereiten und zur Überwindung ihrer inneren Kleinstaaterei zu bringen.