In keinem anderen Land der Europäischen Union wächst die Anzahl der 500-Euro-Scheine so stark wie in Spanien. Inzwischen verfügt das Land über ein Viertel aller im Euroraum zirkulierenden Noten. Allein im Oktober stieg die Anzahl der Scheine um 28 Prozent auf 88 Millionen, das sind zwei 500-Euro-Scheine pro Spanier. Für Manuel Romera, Finanzexperte der Madrider Business School Instituto de Empresa, ist klar: Wir werden immer mehr zu einer Geldwaschanlage, und das hängt unmittelbar mit dem enormen Immobilienboom seit Ende der neunziger Jahre zusammen. Seitdem wird in Spanien von Bauträgern, Investoren und Gemeinden stark mit Grundstücken spekuliert, die Wohnungspreise steigen zweistellig, und die gesamte spanische Küste ist inzwischen zugebaut, vor allem rund um Marbella.

Die spanische Notenbank will sich zu der Bargeldflut nicht äußern und beschränkt sich darauf, dass sie nur der Nachfrage der Banken nachkommt, welche die Scheine für ihre Kunden brauchen. Ein Sprecher weist darauf hin, dass die Hauptaufgabe seines Hauses darin bestehe, die Liquidität der spanischen Banken zu garantieren, und da gebe es ja derzeit nichts zu bemängeln. Der Präsident der spanischen Vereinigung der Steuerfahnder APIFE, José Mara Peláez, sieht das dagegen ganz anders: Hier in Spanien gibt es einfach keinen wirklichen Willen, die enorme Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft zu bekämpfen. Der Kontext passt zu einer weiteren traurigen Führungsposition, die Spanien inzwischen in der EU einnimmt: Das Land ist zum Hauptumschlagplatz für Drogen geworden.