DIE ZEIT : Herr Dittrich, jeden Sonntag spielen Sie im WDR den Arbeitslosen Dittsche, der in einem Imbiss in Hamburg Bier trinkt und auf eine sehr eigene Art mit dem Wirt Ingo die Ereignisse der Woche bespricht. Wir wollen deshalb mit Ihnen – und durch Dittsches Brille – auf das Jahr zurückschauen. Zum Beispiel auf Angela Merkel…

Olli Dittrich: …nach dem Tag ihrer Wahl zur Kanzlerin fragte Bild auf Seite eins: Wo war ihr Mann? Herr Sauer war ja nicht im Bundestag, als seine Frau vereidigt wurde. Dazu hatte Dittsche zwei Theorien. Zwei Tage zuvor wurde die Trennung von Til und Dana Schweiger öffentlich. Das tat ihm unglaublich leid, vor allem, dass das auch noch groß in der Zeitung steht. Das können die doch nicht wirklich gewollt haben! Das Erste, was Dittsche dachte, als er las, dass Herr Sauer nicht im Saal war: Die Merkel hat was mit Til Schweiger.

ZEIT: Und die zweite Theorie?

Dittrich: Im Laufe der Woche gab es dann ja Entwarnung. Es hieß, Merkels Mann hatte zu tun. Aber was? Dittsche hatte gelesen, dass Merkels Wohnung mit sieben Zentimeter dickem Schutzglas ausgestattet werden muss. Am Morgen war sie noch nicht Kanzlerin, aber am Abend nach ihrer Wahl mussten die Scheiben schon eingesetzt sein. Herr Sauer konnte nicht zur Vereidigung, weil er tagsüber die Glaser reinlassen musste.

ZEIT: Am 1. Januar 2005 trat HartzIV in Kraft, Hartz-IV-Empfänger Dittsche scheint also wie geschaffen für einen Jahresrückblick der anderen Art.

Dittrich: Wobei das nur unterschwellig eine Rolle spielt. Dittsches Themen kreisen zum Beispiel eher um Bedrohung durch feindliche Mächte oder Krankheiten. Er malt sich aus, was passieren könnte, möglicherweise schon passiert ist, ohne dass es jemandem aufgefallen ist. Außer ihm natürlich. Und er gibt Erklärungen und Lösungsvorschläge. Probiert Schutzmaßnahmen aus und zerlegt dabei seine Wohnung oder verprellt die Nachbarschaft. Panikmache interessiert ihn, Milben, Pilze. Oder Amöben, das ist ein Stichwort, auf das er immer anspringt.