Selten hat ein Rücktritt in Italien so viel Erleichterung ausgelöst wie die Demission von Notenbankchef Antonio Fazio am Montag. Zwar versicherte der 69-Jährige, er habe ruhigen Gewissens eine absolut autonome Entscheidung getroffen. Doch in Wirklichkeit war Fazio schon seit Monaten mächtig unter Druck. Die Staatsanwaltschaft nahm im August Ermittlungen wegen seiner zwielichten Rolle im Übernahmekampf um die Banca Antonveneta auf. Dabei soll Fazio seinem Intimus Gianpiero Fiorani von der Banca Popolare Italiana in die Hände gespielt haben, um eine Übernahme durch die niederländische ABN Amro zu verhindern. Fiorani sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft: Verdacht auf Veruntreuung und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Inzwischen hat der frühere Banker bereits gestanden, unter Fazios besonderem Schutz gestanden zu haben. Aus schwarzen Kassen soll auch Geld an Politiker geflossen sein. Der von Fiorani belastete Fazio steht unter dem Verdacht des Insiderhandels. Regierung wie Opposition hatten den Notenbankchef wiederholt aufgefordert, seinen Posten zu räumen. Der frühere Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco war sogar seinerseits zurückgetreten, weil Fazio stoisch weiter im Amt blieb. Seiner Entmachtung durch das Parlament kam der Notenbankchef schließlich nur um Stunden zuvor. Die Börse reagierte enthusiastisch - besonders die Titel der von ausländischen Investoren umworbenen Banken zogen kräftig an. Aus Frankfurt ließ EZB-Chef Jean-Claude Trichet erklären, er teile die Beweggründe für Fazios Rücktritt. Die lauteten: Ich will dafür sorgen, dass in Italien und in seiner Zentralbank wieder Ruhe und Gelassenheit herrschen. Doch dazu reicht der Rückzug des Banca-d'Italia-Chefs womöglich nicht aus. Die Einlassungen von Fazio-Freund Fiorani könnten nämlich einen neuen Korruptionsskandal auslösen.