Sie arbeiten an einem Lexikon der Manieren in der Wissenschaft. Wird das ein Uni-Knigge?

Wir sind eine Arbeitsgruppe der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und unser Thema lautet Manieren! - mit Ausrufezeichen, weil wir Manieren wichtig finden. Wir wollen den sozialen Raum Universität und Wissenschaft einmal daraufhin untersuchen, was für ein Ton und welche Sitten dort herrschen, und herausfinden, was eigentlich wissenschaftlichen Stil ausmacht.

Kann man da dann nachschlagen, ob und wann man einen Rektor mit Magnifizenz anreden soll?

Ja, das Lexikon hat schon eine gewisse Unterweisungsfunktion, aber darüber hinaus wollen wir auch auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen und vieles, was unausgesprochen bleibt, ans Licht bringen.

Zum Beispiel?

Ein Stichwort im Lexikon ist etwa Erbsenzählen. Da wird kritisiert, dass Studenten ohne Bezahlung für ihre Professoren bestimmte lästige, eben erbsenzählerische, Aufgaben erledigen müssen. Beim Stichwort Guter Mann geht es darum, dass wissenschaftliche Reputation mittlerweile oft ein reines Gerücht ist. Da sitzt eine Kommission zusammen, und die Mitglieder versichern sich in Unkenntnis der wissenschaftlichen Leistung des Bewerbers gegenseitig: Das ist ein guter Mann! Das Kompliment Gute Frau gibt es übrigens nicht.

Geht es bei den Stichwörtern im Lexikon einfach darum, wie sie verwendet werden, oder um Tipps, wie man es besser macht?