In der Affäre spielt auch der Mann, der die ersten Vorwürfe erhoben hatte, eine höchst dubiose Rolle. Gerald Schatten habe sich Hwang seit Anfang des Jahres in geradezu peinlicher Weise an den Hals geworfen, heißt es in Forscherkreisen. Erst habe er sich als Co-Autor mitfeiern lassen – nun versuche er, den eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Die Kommentare über Schattens Rolle in der Forschergemeinde "gleichen Machetenhieben", berichtet ein Insider. Und Science- Chef Donald Kennedy droht: Für etwaige Fälschungen in der umstrittenen Veröffentlichung werde auch Schatten zur Verantwortung gezogen werden.

Wer sich bei massivem Betrug ertappen lässt, erhält in der Wissenschaftlergemeinde keine zweite Chance. Niemand kooperiert mit ihm, keiner befürwortet seine Forschungsanträge, niemand begutachtet seine Arbeiten. Die rigorose Ausgrenzung von überführten Betrügern ist der einzige Schutz gegen Halunken in den eigenen Reihen. Zwar haben alle namhaften Fachblätter längst das so genannte peer review eingeführt – die Begutachtung durch unabhängige Fachleute. Doch diese Gutachter (peers) seien oft so überlastet, "dass sie gar nicht so genau hinschauen können", kritisiert der Wissenschaftssoziologe Weingart. Und der Stammzellforscher Rudolph Jaenisch sagt: "Wissenschaft beruht vor allem auf Ehrlichkeit, auf Vertrauen und auf der Reproduzierbarkeit von Experimenten."

Laxheiten darf es da eigentlich nicht geben. Doch da Forscher Menschen sind, kommen Betrugsfälle immer wieder vor. Es sind der übermäßige Ehrgeiz, der Publikationsdruck, die Sorge um die eigene Stellung und zuweilen auch Hybris und Bedenkenlosigkeit, die so manchen zur Unlauterkeit treiben.

Unter seinen Kollegen allerdings hält bislang keiner Hwang für einen Forschungsschuft, der mit krimineller Energie betrogen hat. Vielmehr halten ihn die meisten für ein Opfer seiner Popularität: Hwang wollte Erwartungen gerecht werden, die er nicht erfüllen konnte. "Ich war entsetzt, wie der zum Volkshelden gemacht wurde", sagt DFG-Chef Winnaker, "diese Briefmarke war ein schlechtes Signal. Das grenzt ja an Personenkult." Damit ist es nun vorbei, auch in Korea.

Mitarbeit: Martin Spiewak