In der vergangenen Woche, am 15. Dezember, veröffentlichte die Bild-Zeitung auf ihrer Titelseite ein Foto, das Papst Benedikt XVI. mit dem Chefredakteur des Blattes, Kai Diekmann, zeigte. Zu sehen war, wie der Journalist dem Papst die Bild-Gold-Bibel präsentiert, die die Zeitung zusammen mit dem kirchlichen Weltbild-Verlag herausbringt. Benedikt XVI. wird zum verlegerischen Erfolg der Bibelpublikation mit Worten über das Interesse der Deutschen an der Heiligen Schrift zitiert und dann mit der Bemerkung: Vielen Dank und Gottes Segen! Ich danke Ihnen für das Gute, das Sie getan haben, Ihre Arbeit wird Früchte tragen. Der deutsche Papst auf der Frontseite des deutschen Massenblattes, optisch eingespannt in eine PR-Aktion - ist das eine geschmacklose Instrumentalisierung oder pfiffige Glaubenspropaganda?

Es ist nicht das erste Mal, dass Bild in eigener Sache bis zu einem Papst vorgedrungen ist. Im November 2004 war Diekmann (zusammen mit dem Geschäftsführer des Weltbild-Verlags) von Johannes Paul II. sogar in Privataudienz empfangen worden, damals aus Anlass des Vorgängerprojekts Bild-Volksbibel. Diesmal fand die Begegnung im Anschluss an eine der Generalaudienzen statt, die jeden Mittwoch Tausende in der Audienzhalle auf dem Vatikangelände oder Zehntausende auf dem Petersplatz versammeln.

Die katholische Kirche war immer groß in Zweckbündnissen, oft nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel, dem Spektakel selten abgeneigt - aber hier fragt es sich, wer mit wem spielt. Was sagt man in der katholischen Welt der Bundesrepublik zu Bild und der Bibel, zum Treffen Diekmann und Benedikt, zur Berichterstattung darüber in der Zeitung?

Offiziell herrscht Zurückhaltung - die Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz erklärt, dass man selbstverständlich begrüße, was zur Verbreitung der Bibel beiträgt, sich aber nicht zu einzelnen Aktionen der Bild-Zeitung äußern wolle. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der zum Schülerkreis des Theologen Joseph Ratzinger gehört, zeigt sich entspannt: Ich sehe das mit Humor. Bild und der Papst, das ist eine eigene Geschichte.

Bild liebt den Papst, Bild liebt die Show, und wenn es der Bibel zugute kommt, warum nicht? Die Szene spielt am Schluss einer Generalaudienz, da herrscht auch immer etwas von Jahrmarktsstimmung, >des Volkes wahrer Himmel< - darauf versteht sich ein Boulevardblatt. Wenn Bild mich zum Schreiben auffordert, mache ich das selbstverständlich. Ein Bischof, der für ein Boulevardpublikum nicht ein paar klare Sätze aufs Papier bringen kann, würde schlecht für sein Amt taugen.

Einige prominente katholische Laien sind skeptischer. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, meint Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), dass der Papst an jener Stelle abgebildet und zitiert wird, an der sonst der Nackedei des Tages zu sehen ist. Dass einmal im Jahr der Papst eine Bibel geschenkt bekommt und vielleicht mal auf Seite drei oder sieben freundlich über ihn geschrieben wird, kann nicht vergessen machen, was sonst jeden Tag auf den übrigen Seiten stattfindet - und das ist nicht gekennzeichnet durch besondere Sanftmut oder Rücksicht auf Menschen und ihre Schicksale. Ich will gar nicht über die Zehn Gebote reden, in denen sich manches findet, zum Beispiel auch die Forderung, nichts Übles über den Nächsten zu sagen, selbst wenn es stimmt. Der Münchner Politologe und frühere bayerische Kultusminister Hans Maier, seit Jahrzehnten eine führende Gestalt im deutschen Laienkatholizismus, urteilt: Bild will offenbar auf seiner Titelseite Sex-Postille und Kirchenzeitung in einem sein. Das Blatt habe es im Genre des Halb- und Außermoralischen, der Emotionalisierung, des täglichen Appells an die Instinkte (unter Ausschaltung des gesunden Menschenverstandes) weit gebracht. Wäre ich Chefredakteur, ich wäre darauf nicht stolz. Eine Gold-Bibel, dem Papst überreicht, ist kein Lösegeld.

Es finden sich freilich auch Stimmen, die wie Weihbischof Hans-Jochen Jaschke ein gewisses Verständnis für die barocke Vollblütigkeit der Papst-Bild-Kombination zeigen. Wir brauchen gar nicht darüber zu reden, dass Bild oft grauenhaft ist, meint der Autor Peter Seewald, der mit dem damaligen Kardinal Ratzinger den Interview-Bestseller Salz der Erde veröffentlicht hat. Aber bei der Schlagzeile >Wir sind Papst!< habe ich mich doch gefreut, dass es noch jemanden in Deutschland gibt, der sich freut - im Kontrast zu der miesepetrigen Einstellung von vielen. Wird Benedikt XVI.