Hamburg

Kann ich Ihnen helfen? Das ist so ein Satz, der im Gewölbe unter Hamburgs Sankt-Michaelis-Kirche zigmal täglich fällt. Wenn jemand vor dem Drehkreuz steht und keine passende Münze zur Hand hat. Dann kommen der Herr Schnell oder die Frau Meyer und zeigen auf den Wechselgeldautomaten, da, an der Wand, über dem Elchschlitten.

50 Cent! Das finden manche zu viel. Bezahl ich hier fürs Saubermachen oder für die Dekoration? Andere machen aus Protest daneben und sagen gönnerhaft im Gehen: Na, euren Job möcht ich haben!

Wir können ja mal eine Woche tauschen, lautet die freundliche Antwort. Sie sind einiges gewöhnt, die beiden, die seit einem Jahr die öffentliche Toilette unterm Michel betreiben, von montags bis sonntags, von 10 bis 18 Uhr. Angestellt bei der Stadt, nicht beteiligt am Erlös der Drehkreuze, froh über ihre Arbeitsplätze, engagiert im Dienst am Kunden.

Wer muss, muss - aber warum soll er es nicht auch schön haben? Das wäre ihr Motto, und so schmücken sie auf eigene Kosten die fensterlosen, weiß gekachelten Räume. Zu Ostern gibt es Eier und Forsythien, zum Advent Engel und Sterne, Glöckchen und Schneemänner. In einer Ecke der Behindertentoilette lehnt, bärtig und gestiefelt, ein mannshoher Knecht Ruprecht. Pakete säumen den Weg vom Klo zum Waschbecken. Kinder wollen die am liebsten auspacken, das dürfen sie aber nicht, dafür bekommen sie einen Lolly zugesteckt, kaufen wir bei Lidl, sagt das liebe Paar, 32 Stück für 1,49.

Und die Kinder verstehen jetzt endlich, was WC bedeutet: Das ist die Abkürzung für Weihnachten!