Die Lage am Arbeitsmarkt ist offenbar viel desolater, als es amtliche Statistiken ausweisen. Etwa jede dritte offene Stelle, die bei den Arbeitsagenturen gemeldet ist, dürfte in Wahrheit längst besetzt oder weggefallen sein. Diesen Schluss legt eine Studie nahe, die Alfons Schmid und Christian Baden vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur in Frankfurt am Main veröffentlicht haben. Die Forscher untersuchten am Beispiel Hessens, wie viele der registrierten offenen Stellen wirklich verfügbar waren. Das Ergebnis: Bei Jobs, die bereits einen bis sechs Monate lang gemeldet waren, stellte sich auf Nachfrage heraus, dass 43 Prozent nicht mehr zu besetzen waren und bei 13 Prozent eine Besetzung zumindest fraglich schien. Noch schlimmer sieht das Resultat bei Stellen aus, die schon länger als sechs Monate als offen erfasst waren - zum Zeitpunkt der Untersuchung betraf das immerhin 7500 von 22 200 in Hessen gemeldeten Jobs. Von diesen älteren Vakanzen erwies sich nicht einmal jede Dritte als noch existent. Wie es zu dem Schwund kommt, ist unklar. Ein Teil der Unternehmen, die für die Studie befragt wurden, gab an, besetzte Stellen korrekt abgemeldet zu haben, ein anderer Teil gab eigene Versäumnisse zu und beklagte ein zu aufwändiges Verfahren.