Ende Oktober sorgte der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF mit der Entscheidung für Schlagzeilen, seine gesamten Pensionsverpflichtungen an einen Treuhänder zu übertragen - ein Vermögen von immerhin 3,7 Milliarden Euro. Doch Anlass zur Sorge, beteuert Gerhard Klugger, bei BASF für Vergütungen und Sozialleistungen verantwortlich, sei dies nicht. Vielmehr sei dieser Schritt ganz im Sinne der Rentner: Mitarbeiter und Pensionäre erhalten eine verbesserte Absicherung ihrer Ansprüche bei identischer Leistung, so Klugger.

Tatsächlich folgt BASF mit seiner Entscheidung dem Beispiel vieler anderer börsennotierter deutscher Großunternehmen, die ihre Pensionsverpflichtungen bereits vollständig oder zu großen Teilen an Treuhänder und Fonds ausgelagert haben - so wie DaimlerChrysler und Volkswagen, KarstadtQuelle und die HypoVereinsbank, Siemens und Bilfinger Berger.

Mit der Ausgliederung ihrer Pensionsverpflichtungen beenden diese Unternehmen einen jahrzehntelangen deutschen Sonderweg: Anders als etwa in Großbritannien und den Vereinigten Staaten war es in Deutschland bisher üblich, das Geld der Rentner bis zur Auszahlung im Betrieb zu investieren und im Gegenzug dafür in der Bilanz Pensionsrückstellungen zu bilden. Diese zählen nach deutscher Bilanztradition zum Betriebsvermögen, obwohl sie genau genommen Fremdkapital sind. Doch anders als beispielsweise für Bankkredite oder Anleihen müssen für dieses Fremdkapital keine Zinsen gezahlt werden, es ist also deutlich günstiger.

Pensionsrückstellungen erhöhen die Schulden in der Bilanz

Doch für die einflussreichen angelsächsischen Rating-Agenturen, die weltweit die Kreditwürdigkeit von Unternehmen bewerten, spielt dieser Unterschied keine Rolle. Rückstellungen seien, so ihr Argument, nichts anders als künftige Zahlungsverpflichtungen - also Schulden. Und je höher die sind, umso niedriger ist danach die Bonität eines Unternehmens. So stufte die Rating-Agentur Standard & Poor's zum Beispiel die Anleihen des Stahlkonzerns ThyssenKrupp im Frühjahr 2003 auf Ramsch-Status herab - schließlich hätten, so die Begründung, die Pensionsverpflichtungen mit über acht Milliarden Euro mittlerweile nahezu den Börsenwert des Unternehmens erreicht. Eine solche Herabstufung aber ist in der Regel für das betroffene Unternehmen höchst unangenehm: Wenn die Bonität sinkt, werden Kredite teurer, und der Aktienkurs sinkt.

Mit der Auslagerung ihrer Pensionsverpflichtungen wollen die Unternehmen deshalb in erster Linie ihre Ratings sichern. Die betragen nach Berechnungen von Wirtschaftsprüfern derzeit insgesamt über 200 Milliarden Euro, denn rund 40 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland haben Anspruch auf eine Betriebsrente. Jahrzehntelang wurde diese Zusatzrente von den Unternehmen als so genannte Direktzusage allein finanziert und durch die entsprechenden Rückstellungen besichert.

Aufgeschreckt sind die Finanzchefs vieler Unternehmen zudem durch die internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS, nach denen von Ende dieses Jahres an alle börsennotierten Unternehmen in Deutschland bilanzieren müssen.