Nicht umsonst stand auf der Tagesordnung des G8-Gipfels im schottischen Gleneagles die Hilfe für Afrika gleichberechtigt neben der Bekämpfung des Klimawandels. Aller Voraussicht nach trifft die globale Erwärmung den afrikanischen Kontinent so hart wie keine andere Region der Erde – obwohl die Afrikaner fast nichts zu dem vom Menschen verursachten Treibhauseffekt beitragen. Wenn der geschlagene Kontinent eine bessere Zukunft haben soll, müssen deshalb nicht nur seine eigenen Regierungen die Geschäfte besser führen, müssen die reichen Nationen nicht nur etwas spendabler werden. Sie müssen sich auch selbst bessern und dafür sorgen, dass ihren Häusern, Autos und Fabriken weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) entweicht. Sonst werden die Afrikaner die Folgen zu spüren bekommen. BILD

Die entscheidende Frage nach dem Gipfel ist daher: Haben sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen in Schottland zu diesem Versprechen auch glaubwürdig durchgerungen?

Ihr Abschlusskommunique legt einen anderen Schluss nahe. Die Reichen wollen den Afrikanern zwar mit Geld helfen, sogar mit doppelt so viel wie bisher. Weit weniger entschlossen sind die in der G8 vereinten Europäer, Japaner und Nordamerikaner allerdings bei dem Vorhaben, den Süden vor dem vom Norden verursachten Treibhauseffekt zu verschonen. Ersteres, die Beschaffung des zusätzlichen Geldes, fällt den reichen Nationen schwer genug, weil selbst sie sich arm fühlen. Doch Letzteres, der Kampf gegen die Erderwärmung, ist ungleich schwieriger, weil er langfristig die Änderung gewohnter Produktions- und Konsummuster voraussetzt. Dazu haben sich die Führer der Industrienationen nicht einmal ansatzweise bekannt – was wiederum ihr Gelöbnis entwertet, Afrika wirklich helfen zu wollen.

In den Ländern südlich der Sahara leben 700 Millionen Menschen; sie tragen weniger als drei Prozent zum weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) bei. Die ebenfalls rund 700 Millionen Einwohner der sieben G8-Nationen (außer Russland) steuern 40 Prozent dazu bei. Eine Welt? Auch die Reichen werden unter der Erwärmung leiden; aber sie sind reich genug, um sich mit Dämmen und Medikamenten zu schützen. Die Afrikaner trifft der vom Norden verursachte Treibhauseffekt viel härter – während ihnen die Mittel fehlen, die Konsequenzen zu begrenzen.

Laut dem Bericht des von den UN eingesetzten Expertengremiums zur Begutachtung des Klimawandels (IPCC) wird die Erderwärmung in Afrika wahrscheinlich die Ernteerträge sinken lassen. Besonders im südlichen Afrika wird Wasser knapp. Die Überträger von Infektionskrankheiten werden bessere Lebensbedingungen vorfinden. Die Wüste wird wachsen, und der steigende Meeresspiegel wird Städte und Dörfer vor allem an der Küste des Indischen Ozeans unbewohnbar machen. Der Mangel an Geld und Technologien setzt die Afrikaner all diesen Bedrohungen viel schutzloser aus als die Bewohner der meisten anderen Weltgegenden.

Es stimmt zwar, dass korrupte Regierungen den Fortschritt in vielen afrikanischen Ländern verhindern. Das Unheil der Erderwärmung können die Afrikaner selbst aber nicht abwenden, auch nicht bei einer besseren Politik ihrer Regierungen. Sie sind den Industrienationen geradezu ausgeliefert. Diese haben Besserung – sprich: die Reduktion ihrer Emissionen – zwar bereits zugesagt; die Klimakonvention, auf die sich die Völkergemeinschaft 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro einigte, definiert als ihr Endziel die "Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau, auf dem eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindert wird". Doch dieses Versprechen, das auch die USA tragen, brechen die Industrienationen unentwegt. Seit 1990, dem Basisjahr des völkerrechtlichen Vertrages, hat die Gruppe der G7-Nationen ihren CO2-Ausstoß nicht etwa gesenkt, sondern um zwölf Prozent gesteigert.

Jetzt endlich soll gehandelt werden, jedenfalls erweckt diesen Eindruck das Etikett "Aktionsplan", das den G8-Beschluss zum Klimaschutz ziert. Was zu tun wäre, ist seit langem bekannt: Die Industrieländer müssen – vor allem anderen – Kohle und Öl, Strom und Erdgas effizienter nutzen. Autos müssen mit weniger Kraftstoff fahren, Kühlschränke mit weniger Elektrizität kühlen, Häuser mit weniger Energie angenehm temperiert sein. Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat in den vergangenen Monaten mehrere Expertisen veröffentlicht, in denen genau steht, was zu tun und zu lassen wäre, damit schnell weniger Energie verbraucht und die Umwelt geschont wird. Die Operation entlastet in der Regel sogar die Budgets der Verbraucher. Geschehen ist trotzdem bisher fast nichts.

Und es scheint, dass auch in Zukunft nur wenig passieren soll. Zwar fehlt im G8-Aktionsplan nicht die wohfeile Feststellung, dass mehr Energieeffizienz gut für die Wirtschaft und für die Umwelt ist. Doch was daraus folgt, ist eher enttäuschend. Vor allem soll nämlich die IEA noch mehr Expertisen anfertigen – als fehlte es an Erkenntnissen und nicht an deren Umsetzung. Kein Wort von Tempolimitis, kein Wort von Vorschriften, die Energieschleudern einfach verbieten.