Viele Urlauber auf Kreta oder Rhodos beschleicht das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Das mag anderswo zum Flair beitragen, doch in Griechenland weist der Stillstand zurück in die siebziger Jahre.

Grobschlächtige Hotelklötze aus der Frühzeit des Pauschaltourismus säumen noch viele Strände, wo andere Urlaubsländer ihre Anlagen längst als folkloristische Feriendörfer tarnen. Unter Experten gilt Griechenland als reifes Urlaubsziel - eine freundliche Umschreibung für abgewohnte Hotels, das unvorteilhafte Preis-Leistungs-Verhältnis und eine aus der Mode gekommene Urlaubsästhetik. Zu lange beharrten die stolzen Griechen auf dem Standpunkt, dass Antike, Bifteki, Sirtaki und die sprichwörtliche Gastfreundschaft philoxenia ihnen schon die Hotels füllen würden.

Viel zu lange ist nichts getan worden, kritisiert der für das Reiseziel Griechenland verantwortliche TUI-Manager Rolf-Dieter Maltzahn. Das Land braucht schnellstmöglich Verbesserungen. Hotels, Straßen, Flughäfen und nicht zuletzt der Service entsprächen nicht mehr dem Standard, den die weit gereiste Kundschaft inzwischen als selbstverständlich voraussetzt.

Besonders im Vergleich mit der Türkei sieht Griechenland blass aus. Zur Jahrtausendwende lagen beide Länder bei der Nachfrage aus Deutschland noch gleichauf. Inzwischen ist der östliche Nachbar weit enteilt: 2004 reisten 4,1 Millionen Bundesbürger in die Türkei, knapp doppelt so viele wie nach Griechenland. Komplett verschlafen haben die Griechen den Trend zu All-inclusive, ohne den im Massentourismus heute kaum noch Wachstum zu erzielen ist.

Vor allem Familien verlangen heute die Überschaubarkeit ihrer Urlaubskosten, sagt Maltzahn. Wer in den griechischen Tourismus-Hochburgen einmal vier Euro für einen Kaffee oder fünf Euro für ein Bier ausgeben musste, wird sich im nächsten Jahr womöglich nach einem Ziel mit geringeren Nebenkosten umschauen. Den Traum von Sonne, Strand und Meer kann man in der Türkei, Bulgarien, Kroatien oder Tunesien jedenfalls wesentlich billiger verwirklichen. Schuld daran ist nicht allein ein besonders ausgeprägter Geschäftssinn der Griechen, sondern auch ihre EU-Mitgliedschaft, sagt Michael Karavas, Chef des Münchner Veranstalters Attika Reisen: In der Türkei verdient eine Hotelarbeitskraft 100 Dollar im Monat, in Griechenland aber 600 Euro.

Dass Griechenland ins Hintertreffen geraten ist, hängt auch damit zusammen, dass es von November bis April praktisch von der touristischen Weltkarte verschwindet. Während andere Mittelmeerziele auf Ganzjahrestourismus setzen, schließen in Griechenland die Hotels, Flugverbindungen werden eingestellt und die Bürgersteige hochgeklappt. Daran wird sich auch so bald nichts ändern, meint Karavas: Griechenland hat keine eigene Charterfluggesellschaft, die im Winter Direktflüge anbieten könnte. Das Umsteigen in Athen ist Urlaubern zu umständlich und zu teuer.

Optimisten sehen das Land gleichwohl im Aufwind. Wir kommen langsam zurück und erwarten in diesem Jahr Zuwächse von sechs bis zehn Prozent, sagt Panagiotis Skordas, Chef der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt. Marktführer TUI und Spezialist Attika-Reisen vermelden sogar noch höhere Zuwachsraten - allerdings nach einem sehr flauen Vorjahr. Rund um die Olympischen Spiele in Athen waren viele Gäste ausgeblieben, doch jetzt profitiert das Land von dem Imagegewinn.