Herrn Joffes Bemühungen um verbesserte Finanzen und ein besseres Profil der deutschen Hochschulen sind zwar begrüßenswert, doch habe ich meine Bedenken, wenn er die Anglo-Unis als nachahmenswertes Beispiel anführt. Humboldt würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass Sie ihn nach Stanford versetzt haben: Die Anglo-Unis sind vom Markt abhängig, Studenten sind bloße Ware, und auch die Forschung wird vornehmlich nach ihrem Marktwert beurteilt.

In England ist die Humboldtsche Einheit von Forschung und Lehre zur Farce verkommen: Da die Universitäten mehr Geld für Forschung erhalten, wird die Lehre immer mehr vernachlässigt. Meine eigene Universität (Oxford Brookes University) hat die jährliche Vorlesungszeit von ursprünglich 33 auf 27 Wochen verkürzt, und es sollte niemanden verwundern, dass die anspruchsvolleren Fächer unter solcher Amputation leiden: Hier wurden neben den traditionellen Naturwissenschaften jetzt auch die Fremdsprachen (außer Französisch) abgewickelt. Der Vorsitzende des britischen Funding Council hält solche Maßnahmen für vertretbar, da die Hochschulbildung an den freien Markt gekoppelt sei. Wenn in der nation of shopkeepers demnächst also nur noch Business und Media Studies gelehrt werden, dann müssen die Bürger eben ihre Gesundheitspflege und anderes im Do-it-yourself-Verfahren erledigen.

Ich glaube nicht, dass Humboldt damit einverstanden wäre.

PROF. HANS-JOACHIM HAHN, OXFORD, GROßBRITANNIEN