Gut einen Monat vor dem Auslaufen seiner selbst gesetzten "100 Tage"-Frist Mitte August muss KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff nun noch einmal kräftig aufs Sanierungstempo drücken. Sorgenkind im Konzern ist immer noch der tief in den roten Zahlen steckende Universalversand der KarstadtQuelle-Töchter Quelle und Neckermann. Nun zwingen die anhaltenden Probleme im Versand den Konzernchef dazu, seine Ergebnisprognose um 150 Millionen Euro auf 350 Millionen Euro nach unten zu korrigieren.

Als Sofortmaßnahme zur Sanierung der Versandtöchter wird der neunköpfige Vorstand der Versandhandelssparte aufgelöst, kündigte Middelhoff an. Die Neckermann AG und die Quelle AG werden in GmbHs umgewandelt. "Neckermann und Quelle sind Stammgeschäft, wir werden weder das eine noch das andere verkaufen", betonte Middelhoff zu Spekulationen, die Töchter bei einer Umwandlung schneller abstoßen zu können. Geschäftsführer der Neckermann GmbH wird Bernd Oppenrieder, Geschäftsführer bei der Quelle GmbH werden Michael Badke und Konzernvorstand Harald Pinger. Ein neuer Versandchef soll spätestens Anfang 2006 antreten. Der Name wurde nicht genannt, weil er noch bei einem anderen Unternehmen tätig ist.

Die Umsätze bei den Versandtöchtern liegen nach Angaben von Pinger derzeit um 5,5 Prozent unter Plan. Damit ist dieser Bereich der einzige von fünf Unternehmensbereichen, der im Minus ist. Neben der Verschlankung der Führungsebene plant KarstadtQuelle auch eine massive Sortimentsbereinigung im Versand, eine stärkere Ansprache junger Kunden und eine deutliche Senkung der Logistik- und IT-Kosten. Bei der Infrastruktur sollen etwa 20 Prozent des Kostenvolumens von 1,5 Milliarden Euro bis 2008 gespart werden. Auch bei den Personalkosten sind weitere Einsparungen geplant. Mit den Arbeitnehmervertretern würden deshalb Gespräche geführt. "Wir wollen gemeinschaftlich Lösungen finden", betonte Middelhoff ohne sich zu einem möglichen weiteren Stellenabbau zu äußern. Derzeit arbeiten rund 12.000 Frauen und Männer im Universalversand in Deutschland.

Nach einem schlechten Start ins Jahr hat sich das Geschäft in den Warenhäusern nach Worten von Middelhoff positiv entwickelt. Derzeit lägen die Umsätze nur noch um 0,2 Prozent unter Plan. "Wir haben unwahrscheinlich aufgeholt", sagte der Vorstandschef. Auch der Verkauf der Fachgeschäfte komme planmäßig voran. Für Wehmeyer und Fitness seien die Verträge unterschrieben, für SinnLeffers, Karstadt Kompakt und Runners Point liefen derzeit Verkaufsverhandlungen. Für Runners Point solle ein "Maximumwertwert" erzielt werden. Der Verkauf dieser Bereiche inklusive des bereits verkauften Anteils an der Kette Golf House habe ein Volumen von 1,1 Milliarden Euro. Zusätzlich will sich KarstadtQuelle bis Anfang 2006 von seinen Forderungen an Kunden (ABS) und seiner Hypothekenbank KHB trennen. Dadurch sollen zusätzlich 1,3 Milliarden Euro in die Kasse kommen.

Trotz der anhaltenden Probleme sieht Thomas Middelhoff den Patienten KarstadtQuelle auf dem Wege der Besserung. Es sei kein angeschlagener Konzern mehr: Vier von fünf Bereichen seien über den Berg. Dazu gehörten auch wieder die Warenhäuser und die Touristiktochter Thomas Cook. "Zum ersten Mal seit Jahren gibt es überschaubare positive und negative Abweichungen", freut sich Middelhoff.

"Neu daran ist, dass ein neuer Mann seine Prognose verfehlt hat", stellte dagegen die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz Jella Benner-Heinacher fest. Die anhaltenden Probleme beim Versand des angeschlagenen Konzerns seien jedoch schon länger bekannt gewesen, sagte sie.