Die britische Polizei hat offenbar den mutmaßlichen Drahtzieher der Selbstmordanschläge von London identifiziert. Wie die Tageszeitung The Times unter Berufung auf Sicherheitskräfte berichtete, ist der Täter ein Brite pakistanischer Herkunft. Den Angaben zufolge ist der Mann Mitte dreißig und kam im vergangenen Monat in einem britischen Hafen an. Die Anschläge, bei denen am 7. Juli in London 52 Menschen ums Leben kamen, soll der mutmaßliche Täter jedoch nicht direkt miterlebt haben: er verließ das Land angeblich einen Tag zuvor wieder.

Die Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass der Verdächtige schon früher in terroristische Operationen verwickelt gewesen sei und Verbindungen zu dem Terrornetzwerk al-Qaida in den USA unterhielt. In der nordenglischen Stadt Leeds soll er die Attentäter des Anschlags getroffen haben – möglicherweise, um sie zu unterweisen, wie die Bomben zu zünden seien.

Außerdem wurden Befürchtungen laut, es könnten weitere Anschläge im Vereinigten Königreich vorbereitet werden. Bei den ersten Selbstmordanschlägen auf britischem Boden waren am vergangenen Donnerstag in drei Londoner U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus mindestens 52 Menschen getötet und etwa 700 verletzt worden.

Bei den mutmaßlichen Attentätern handelt es sich nach Berichten um vier befreundete Briten pakistanischer Herkunft, die aber allesamt im Vereinigten Königreich geboren sind und dort auch aufwuchsen. Freunde des mutmaßlichen Terroristen Shahzad Tanweer (22) sagten dem Fernsehsender ITV News Channel, dieser sei in den vergangenen sechs Monaten nach Afghanistan und Pakistan gereist. Dies könne darauf hindeuten, dass Tanweer ein al-Qaida-Trainingscamp besuchte, hieß es.

Die Täter waren den Angaben nach nie aufgefallen oder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. "Wie viele unbeschriebene Blätter stehen noch auf Abruf bereit?", zitierte die britische Presseagentur PA eine ranghohe Quelle bei den Sicherheitskräften. Weitere Anschläge wurden seitens der Polizei deshalb nicht ausgeschlossen. Nach Angaben der Boulevardzeitung "The Sun" unter Berufung auf Geheimdienstkreise sollen sich etwa 200 solcher potenziellen Terroristen in Großbritannien aufhalten, die in al-Qaida-Camps ausgebildet worden seien.

Premierminister Tony Blair kündigte verstärkte Kontrollen an den Grenzen sowie eine baldige Debatte über mögliche neue Antiterror- Gesetze an. Außerdem werde die Regierung unverzüglich Diskussionen mit den geistlichen Führern der Muslime im Land beginnen, um "die Pervertierung und vergiftende Fehlinterpretation des Islams" zu bekämpfen, der sich hinter den Anschlägen verberge, sagte Blair vor dem Unterhaus.