Intelligent ist, was Intelligenztests messen, scherzen Psychologen. "Intelligent wirkt, was intelligent zu agieren scheint", lautet die Replik von Informatikern, die sich vorsichtshalber nicht auf philosophische Debatten einlassen wollen. Lieber messen sie ihren Erfolg daran, ob Software den Menschen aus der Reserve locken kann. Auch beim Computerpoker zeigt sich das Dilemma der Forschungsrichtung, die scheinbar ein Paradoxon im Namen trägt, Künstliche Intelligenz (KI) .

Beim Versuch, diesen Begriff zu bestimmen, geraten Biologen, Psychologen und Philosophen leicht in Streit: Es gibt keine verbindliche Definition. Die Informatikerin Elaine Rich hat 1983 den gemeinsamen Nenner aller KI-Ingenieure so zusammengefasst: "Künstliche Intelligenz ist die Lehre davon, wie Computer Dinge tun können, in denen Menschen besser sind – wenigstens im Moment noch." Das kann man als Wettbewerb verstehen. Logisch ist daher, dass Spiele zu den Betätigungsfeldern von KI-Forschern gehören. An den Erfolgen in den Disziplinen Schach- und Damespiel lässt sich der Fortschritt ablesen: 1997 siegte Deep Blue von IBM über den Schachgroßmeister Garri Kasparow. Seit 1994 ist das Programm Chinook Dame-Weltmeister.

Zockende Software gehört zur schwachen KI . Sie versucht Probleme zu lösen, für die eine bestimmte Form intelligenten Entscheidungsverhaltens nötig ist. In vielen Anwendungen stecken bereits Erkenntnisse aus der schwachen KI – etwa in Suchmaschinen, in der Handschriften- oder Spracherkennung, in neuronalen Netzen, maschinellen Übersetzern oder Computerspielen. Die starke KI krankt nach wie vor an der Vermessenheit ihres Anspruchs: Maschinen zu schaffen, die zu Selbsterkenntnis und Bewusstsein fähig sind und autonom handeln, jenseits konkreter Problemstellungen.

Einer der Ersten, die sich mit KI beschäftigten, war der englische Mathematiker Alan Turing . Statt 1950 die Frage nach dem Was zu erläutern, konzentrierte er sich auf das Wie: Wie kann man messen, ob eine Maschine intelligent ist? Die Methode, die er vorschlug, ist als   Turing-Test  in die Geschichte eingegangen: Ein Richter hat einen Computer und einen Menschen vor sich, beide hinter einem Vorhang verborgen. Die Kommunikation erfolgt über Terminals. Einzig anhand der so übertragenen Reaktionen muss der Richter entscheiden, wer der Mensch ist und wer die Maschine. Misslingt ihm dies, ist die Maschine eben intelligent. Oder sie hat einfach gut  geblufft.