Etliche Studien weisen darauf hin, dass man sich mit Schachspielen geistige Frische bis ins hohe Alter bewahren und so auch vor der Alzheimer-Krankheit schützen kann. In der Tat kommen mir keine älteren, an Alzheimer leidenden Schachspieler in den Sinn. (Möge nun keiner sagen, diese verlören ihren Verstand schon viel früher!)

Gern erinnere ich mich an den 94-jährigen ungarischen Großmeister Andor Lilienthal, der mit mir vor einigen Jahren bei einem Turnier in Wien in sehr gutem Deutsch die Partien von Kramnik, Karpow & Co. kommentierte. Oder an die 98-jährige Liesel Scherr aus Worms, die älteste Vereinsspielerin Deutschlands, die früher öfter an der Deutschen Meisterschaft teilnahm, aber auch jetzt noch jedes Jahr allein unter dreimaligem Umsteigen von Worms ins österreichische Obernberg zum Ski- und Schachturnier fährt und dort dann sehr respektabel abschneidet – vorsichtshalber allerdings nur beim Schach!

Vor allem an diese beiden musste ich denken, als mir Pfarrer Dirk Küsgen vom 88-jährigen Kurt Matthias berichtete, der vor einiger Zeit bei einem Mannschaftskampf seinem Verein TSV 1860 Hagen (der Verein ist zugegebenermaßen noch älter als er) den Aufstieg in die Verbandsklasse Südwestfalen durch einen Sieg über Caspar Semer vom SV Menden 24 sicherte – sein Gegner war mit 94 Jahren auch kein Jungspund.

Da hätte Herr Matthias mit Fug und Recht wie bei einem Turnier in Stockholm 1948 der 83-jährige deutsche Meister Jacques Mieses nach seinem Gewinn gegen den 84 Jahre alten Holländer van Foreest sagen können: "Die Jugend hat gesiegt!"

Der ehemalige Marathonläufer spielt circa zwei Stunden Schach am Tag und liebt, auch bei Blitzpartien mit fünf Minuten für die ganze Partie – so lange brauchen manche Jüngere für einen einzigen Zug –, taktische Scharmützel mit Opfern.

Beim noch bis zum 17. Juli dauernden Sparkassen Chess Meeting in Dortmund (einstündige Abschlusssendung im WDR-Fernsehen am 18. Juli), bei dem wie jedes Jahr die Weltelite am Start ist, spielt er gern im Open B mit.

Sehen Sie, wie er dort im Jahre 2003 als Weißer am Zug mit einem feinen Ablenkungsopfer gegen den vermutlich ein Stück jüngeren Helmut Schneider in entscheidenden Vorteil kam und insgesamt sechs Punkte aus neun Partien erzielte?