Die Kette düsterer Gedenktage des globalen Terrors ist bereits lang. Was der 11. September 2001 für Amerika, der 11. März 2004 für Spanien und der 7.

Juli 2005 für Großbritannien bedeutet, das war und bleibt der 2. November 2004 für die Niederlande: Die Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh an jenem Tag war eine Einzeltat, kein Massenmord, gewiss. Aber gemeint waren auch in diesem Fall alle. Wir alle: Europa, der Westen, die Aufklärung. Theo van Gogh starb stellvertretend. Und der Schock, von dem die holländische Gesellschaft sich noch nicht erholt hat, erinnert in der Wirkung an die anderen Anschläge.

Der Täter von Amsterdam, Mohammed Bouyeri, 27, Sohn marokkanischer Einwanderer, holländischer Staatsbürger, steht nun in Amsterdam vor Gericht.

Dass er es war, der van Gogh mit Pistole und Messer regelrecht exekutiert hat, ist unstrittig. Über fünfzig Augenzeugen gibt es, ebenso sein Bekenntnis zur Tat und die Morddrohung, die er - gerichtet an die Exmuslimin Ayaan Hirsi Ali, eine prominente Islamkritikerin - am Tatort hinterlassen hat. Auch er ist Stellvertreter, fühlt sich jedenfalls so, und wäre gern zum Märtyrer geworden, erschossen von der Polizei. Den Gefallen haben die Beamten ihm nicht getan.

Bouyeri, vor wenigen Jahren noch eine Art Modellfall für gelungene Integration, wird den Märtyrer in der Zelle geben müssen. Wird er damit zur Heldenfigur für die Islamisten? Die Gefahr, die von ihm ausging, ist nicht gebannt. Im Gegenteil.