Zuletzt sah es so aus, als hätten sich mehrere Windkraftfirmen und der Umweltminister Jürgen Trittin übernommen. Immer wieder wurde der Bau der ersten Offshore-Windparks in der Nordsee angekündigt - und verschoben. Schon vor einem Jahr sollten sich zwölf Windräder der Fünf-Megawatt-Klasse im Windpark Borkum-West drehen. Doch die technischen Risiken schienen den Banken zu groß. Sie wollten die Windparks nicht finanzieren.

Jetzt, kurz vor der Bundestagswahl, kommt er doch noch: Der erste Deutsche Offshore-Windpark wird als Forschungsvorhaben mit Unterstützung des Bundes gebaut. Das Bundesministerium für Umwelt hat seit Januar hinter den Kulissen gearbeitet, um die deutschen Küstenländer, Stromkonzerne, Wissenschaftler und Hersteller in der Stiftung der deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See zu vereinen. Wir haben am 5.7.2005 die Satzung bei der Niedersächsischen Landesregierung eingereicht, sagt Jörg Kuhbier, ehemaliger Umweltsenator von Hamburg und einer von drei kommissarischen Vorständen. Ende Juli - so der Fahrplan - soll die Offshore-Stiftung genehmigt sein.

Dann wird sie als Erstes die fünf Millionen Euro Forschungsmittel beim Umweltministerium beantragen, die dort zum Kauf der Rechte am Windpark Borkum-West bereit stehen. Ursprünglich wollte die Prokon Nord Energiesysteme GmbH aus Leer dort ihre selbst entwickelte Anlage vom Typ Multibrid aufstellen. Doch jetzt wird die Stiftung die Bauplätze an alle drei deutschen Anbieter von Großanlagen - also an Prokon, Enercon und Repower - vergeben, damit sie von 2007 an ihre Anlagen testen können. Die Energiekonzerne EWE, E.on und Vattenfall gehören ebenfalls der Stiftung an und werden das Verbindungskabel zum deutschen Stromnetz an der Küste ziehen.

Die anstehende Bundestagswahl hat mit der schnellen Entscheidung angeblich nichts zu tun. Die Experten im Umfeld der Stiftung sind überzeugt, dass auch eine CDU-Regierung die Windkraft auf hoher See fördern wird. Erstens seien die CDU-regierten Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Bremen im Kuratorium der Stiftung vertreten. Zweitens seien die im Wahlprogramm versprochenen 12,5 Prozent Ökostromanteil ohne Offshore nicht zu schaffen.

Doch zunächst einmal kann Jürgen Trittin seinen Wählern noch sagen: Seht her, die Windkraft kommt!