DIE ZEIT: Herr Jaschinski, wenn Sie am Morgen des 19. Juli aufwachen, wird Ihre Welt eine andere sein. Die LBBW steht dann ohne Staatsgarantien da, sie wird ihr Kapital am Markt nur noch zu höheren Zinsen bekommen. Steigen damit auch die Gebühren für die Bankkunden?

Siegfried Jaschinski: Ich glaube nicht, dass sich die Zinsen sprunghaft verändern werden. Um in Ihrem Bild zu bleiben: Am Morgen des 19. Juli wird es so sein wie beim 50. Geburtstag. Man wacht auf, man ist 50 - aber es hat sich nicht so viel verändert. Immerhin ist die Fremdfinanzierung am Kapitalmarkt nur ein Teil unseres Geschäfts. Zudem hat sich die LBBW genau wie die anderen Landesbanken im Vorfeld bereits ausreichend mit Kapital eingedeckt.

ZEIT: Dann schlagen die höheren Zinskosten eben in fünf Jahren auf Ihr Ergebnis durch. Und wenn Sie dann nicht die Gebühren für Ihre Kunden erhöhen, schrumpft Ihr Gewinn.

Jaschinski: Das ist richtig. Aber wir haben uns auf diese Situation seit Jahren eingestellt. Das alte Geschäft der Landesbanken, dank ihres Spitzenratings Geld billig zu leihen und dann teurer an gute Kreditnehmer zu verleihen, funktioniert vom 19. Juli an so nicht mehr. Deswegen setzen wir unter anderem auf Provisionseinnahmen und Erträge aus dem kundenorientierten Kapitalmarktgeschäft.

ZEIT: Auch wenn Sie betonen, dass Ihre Bank sich auf die veränderte Welt vorbereitet hat, so bekommen nun bestimmte Geschäftspartner mehr Macht - die Ratingagenturen. Sie entscheiden mit ihrer Note, wie sehr es sich für die Landesbanken verteuert, Geld zu leihen. Auf wen wird der Chef der Landesbank Baden-Württemberg künftig am ehesten hören: auf den Ministerpräsidenten des Landes? Auf den Chef des baden-württembergischen Sparkassenverbandes, der Ihren Verwaltungsrat leitet? Oder auf die Ratingagenturen?

Jaschinski: Es ist sicherlich richtig, dass wir unseren Geldgebern größere Aufmerksamkeit widmen müssen. Das sind nicht die Ratingagenturen, sondern unsere in- und ausländischen Investoren. Mit ihnen stehen wir in direktem Kontakt. Wir arbeiten in Tokyo genauso wie in New York daran, an Kapital zu kommen. Das ist das Wichtigste. Ratingagenturen sind immer nur Indikatoren.

ZEIT: Anders gefragt: Eine Landesbank steht im Fokus verschiedener Interessen. Da gibt es die Erwartungen der Investoren, der Politik und der Sparkassen. Wessen Erwartungen werden Sie künftig enttäuschen?