Einem Bericht der in London erscheinenden The Times zufolge hat sich auf dem für die Olympischen Spiele 2012 in London ausgewiesenen Gelände in früheren Jahren ein nuklearer Forschungsreaktor befunden. Die Anlage wurde vom Queen Mary College 1963 errichtet und zwei Jahre lang zu Ausbildungszwecken betrieben. Das Komitee London 2012 , das vor dem IOC das britische Angebot zum Erfolg bringen konnte, zeigte sich überrascht von der Nachricht und verwies auf die Stellungnahme des Betreibers, der zufolge das Gelände in keiner Weise radioaktiv verseucht sei. Der Reaktorkern habe lediglich die Abmessungen eines Eimers gehabt und sei von sehr geringer Energiedichte gewesen, und auf dem Gelände seien nach der von Sicherheitsbehörden überwachten Demontage keinerlei radioaktiv kontaminierten Reste mehr übrig geblieben.

Offenbar gehörte die Maschine zum Typ Argonaut , der recht verbreitet ist und meist in der Größenordnung von 100 Kilowatt Energie erzeugt. Es handelt sich um Leichtwasserreaktoren, in denen Anordnungen von Graphit als Neutronen-Reflektoren dienen – eine Konstruktion, wie sie heute wohl kaum noch genehmigt werden dürfte, da sich Graphit in der Nähe von Luft und Wasser entzünden kann. Als Brennstoff dient angereichertes Uran, und zwar in den älteren Anlagen solches von hoher Anreicherung; aus diesem Material lassen sich Kernsprengstoffe herstellen. Auch deshalb wäre so ein Reaktor auf einem Universitätscampus heutzutage eine umstrittene Angelegenheit.

Doch um die Gesundheit der Olympioniken muss sich wohl niemand Sorgen machen. Reaktoren dieses Typs wurden schon oft entsorgt, und wenn das strahlende und das verstrahlte Material abtransportiert wurden, dann bewegt sich die verbleibende Kontamination unterhalb der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlenbelastung. Gleichwohl: Das sollte besser noch einmal nachgeprüft werden, auch, um Sorgen zu zerstreuen, die nun vielleicht aufkommen könnten.