Ich wünsche mir viele fette, blaue Punkte im Gesicht, mit denen ich mir wie das Sams aus den Büchern Wünsche erfüllen kann.
Michael Biedowicz , Bildredakteur Leben

Mehr Zeit für meinen Sohn und seinen Vater; mehr Schlaf für mich;
mehr Mut zur eigenen Meinung von unseren Politikern, weniger Misstrauen an der falschen Stelle;
nie mehr Taxifahrer, die über Politik reden;
öfter die Frage stellen und hören: Warum eigentlich?;
dass die schöne mitteleuropäische Sitte, Menschen erst aussteigen zu lassen, bevor man selbst einsteigt, es doch noch nach Berlin schafft;
längere Arme, damit ich die Yoga-Übungen hinkriege. Wenn ich’s recht bedenke, auch längere Beine;
ein Pferd;
mehr Kino;
nie mehr "Ich sag mal" hören;
mal wieder nach Halle fahren.
Tina Hildebrandt , Redakteurin Hauptstadtbüro

Ich wünsche mir 365 Tage ohne Erkältung – oder endlich ein wirksames Mittel dagegen.
Gaby Grosse , Sekretärin Leben

Ich wünsche mir, dass Die ZEIT ernst und ehrlich bleibt. Dass sie auch 2006 den Anfechtungen des Zeitgeistes, der nur nach der finanziellen Bilanz fragt, und jeder "Political Correctness" widersteht. Nur dann kann sie zur Rettung der Welt beitragen.
Sabine Rückert , Reporterin

Wenn wir die Welt retten wollen, müssen wir mit den Tageszeitungen beginnen. Die sind nämlich in Gefahr, vielleicht in Lebensgefahr. In allen westlichen Demokratien siechen sie dahin. In Amerika sinken die Auflagen gerade der besten Blätter, die Leser holen sich die Neuigkeiten aus dem Internet, sie brauchen keine Zeitung mehr. Denken sie. So denken auch die Briten, deren Verleger die Zeitungen von Jahr zu Jahr billiger gemacht haben, erst beim Preis, dann beim Inhalt. Zu Tabloids abgemagert, wird man Britanniens Traditionsblätter, wenn sie der Schwindsucht erlegen sind, am Ende kaum vermissen. Und so denken natürlich auch die Deutschen. Sie nahmen ihre großartigen Regionalblätter immer als Selbstverständlichkeit hin und sehen jetzt zu, wie diese langsam vor die Hunde gehen. Es ist ein Jammer und ein großes Unglück. Denn mit jeder ruinierten Zeitung verdorrt ein Fleckchen Demokratie. Das Internet, die nie abebbende Flut, schwemmt uns – neben mancher Kostbarkeit – Berge von Informationsmüll ins Haus. Die Zeitung kann es nicht ersetzen. Doch wer sagt das den Arglosen, die sich ihr elektronisches Blatt jeden Morgen neu zusammenbasteln? Ohne Navigator werden sie am Ende in der Nachrichtenflut ersaufen. Denn man kann alles wissen, ohne das Geringste zu verstehen, wenn keine Redaktion mehr das Wichtige vom Unwichtigen trennt, nicht mehr prüft, was falsch ist und was wahr. Man muss also die Tageszeitung retten, wenn man die Welt retten will. Natürlich auch, wenn man die Wochenzeitungen retten will. Denn wer wird die noch lesen können, wenn er das tägliche Lesen verlernt hat?
Matthias Nass , stellv. Chefredakteur

Sollten die Radiohörer des Landes das Mozartjahr 2006 wider Erwarten unbeschadet überstehen, so wird man das für Mozarts Werk keinesfalls sagen können. Im Gegenteil. All jenen Menschen, denen seine Kompositionen unbekannt waren (und natürlich gibt es sie), werden sie im Dezember 2006 noch unbekannter sein. Und alle anderen, die sie schätzten, werden sich fragen, ob es nicht doch eine Art öffentlich-rechtlichen Terrorismus gibt, dessen Ziel akustischer Massenmord oder zumindest kultureller Suizid ist. Denn eines steht schon fest: Die so genannten "Kultursender" der Hörfunkanstalten werden uns nur die schnellen Sätze bringen, die flotten Arien, die bekannten Ohrwürmer, die sich nach einem Jahr Dauerberieselung in Ohrkakerlaken verwandelt haben werden. Anders gesagt: Die Reduktion Mozarts auf einen Lieferanten bekannter "Jingles" durch zynische Rundfunkredakteure wird alle depressiven Befürchtungen Theodor W. Adornos übertreffen.
Also wünschen wir uns für das Mozartjahr, lieber taub zu werden als betäubt zu werden.
Michael Naumann , Herausgeber