Da macht man sich fein für eine Feier oder für die Oper, will zu guter Letzt noch einmal den Gesamteindruck im Spiegel überprüfen – und schafft es partout nicht, seine ganze Gestalt im Spiegel zu sehen, egal ob man ganz nah herantritt oder sich so weit wie möglich entfernt.

Der Grund dafür ist tatsächlich, dass in diesem Fall der Spiegel zu klein ist. Spontan würden vielleicht die meisten sagen: Wenn man vom Spiegel zurücktritt, wird doch das Spiegelbild kleiner, also muss man irgendwann auch ganz zu sehen sein… Dass das nicht stimmt, lässt sich mit einer kleinen Zeichnung beweisen.

In der Grafik tun wir so, als stünde tatsächlich eine seitenverkehrte Person hinter dem Spiegel. Das ist natürlich nicht so, aber es macht die Sache einfacher. Ganz exakt müsste man zur Verfolgung der Lichtstrahlen eine Linie von den entsprechenden Punkten der realen Person zum Spiegel zeichnen und sie von dort ins Auge reflektieren. Da aber nach dem Reflexionsgesetz Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel ist, kann man den Spiegel auch durch eine durchsichtige Glasscheibe ersetzen, hinter der die verkehrte Person steht.

Zeichnet man nun das Dreieck zwischen Scheitel und Sohle des Spiegelbilds und dem Auge des Betrachters, dann liegt die Spiegelebene immer genau in der Mitte. Und nach dem Strahlensatz der Mathematik ist die Mindesthöhe des Spiegels genau die Hälfte der abzubildenden Höhe. Man sieht außerdem, dass es durchaus wichtig ist, in welcher Höhe der Spiegel hängt – die Oberkante muss sich etwas über der Augenhöhe befinden.

Unwesentlich für die Betrachtung ist dagegen, dass unsere Augen nicht ganz oben am Körper sitzen – selbst wenn sie sich in Bauchnabelhöhe befänden, müsste der Spiegel mindestens die halbe Körpergröße haben.
Christoph Drösser

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